Erlebnisbericht: Via Podiensis

Wie sieht wohl der Weg vor dem berühmten Camino Francés aus? Diese Frage beschäftigte mich seit meinen zwei Pilgerschaften auf DEM JAKBOBSWEG. Das Ziel wird also dieses Mal nicht Santiago de Compostela, sondern Saint-Jean-Pied-de-Port sein. Ich wählte den Zug über Genf und Lyon für die Anreise nach Le Puy-en-Velay, der Stadt mit dem berühmten Vulkankegel (Bild 1). Hier beginnt die Via Podiensis, stand gemeißelt auf einem Haus in der Innenstadt!

Es war früher Nachmittag und ich hatte noch genügend Zeit, die Stadt zu besichtigen. Jeden Tag werden die Jakobspilger in der Kathedrale Notre-Dame für ihre Pilgerschaft ausgesegnet. Es waren sicherlich mehr als 40 Personen. Eine Landshuterin sprach mich mit Namen an….?? Sie kannte mich von einem meiner Vorträge. Vor der Kathedrale hat man diesen Blick (Bild 2), der in so vielen Büchern abgebildet ist. Von hier sind es rund 1.600 km noch Santiago de Compostela, oder 870 km bis Saint-Jean-Pied-de-Port.

Wegen der langen Bahnanreise hatte ich sehr gut geschlafen. Hinter der Stadt ging es durch steinige Landschaft und kleine Dörfer bis Saint-Privat-d’Allier. Ich schlief in einem kleinen Hotel mit vielen anderen Pilgern. Die Pilger bilden auf den Wegen sofort eine Gemeinschaft. Über Berge, Täler und die Eifel-Bücke von 1888 ging es schließlich nach Saugues. Leben wie Gott in Frankreich heißt als Pilger „Essen wie Gott in Frankreich“. In allen Orten des Weges kann man die französische Küche mit all ihren Delikatessen genießen. Zurückhaltung ist hier nicht angesagt! Auf den Wanderetappen werden die Kalorien schnell verbrannt…

Der nächste Tag führt über den Margeride-Pass, den zweithöchsten Punkt des Weges in Frankreich, nach St-Alban-sur-Limagnole. Vor 100 Jahren ein Urlaubsort für wohlhabende Pariser, dann fast ausgestorben, heute durch die Pilger wiederbelebt. Der nächste Ort mit dem Namen Aumont-Aubrac deutete die Landschaft schon an. Die AUBRAC! In vielen Jakobswegbüchern als der schönste Teil des gesamten Jakobswegs beschrieben. Eine Tatsache, die ich nur bestätigen kann. Die vielen grünen Töne, die Grautöne der Granitsteine…. Eine Traumkomposition der Schöpfung (Bild 3). Am Übernachtungsort Nasbinals setzen sich die Grautöne in den Mauern der Gebäude fort (Bild 4).

Am nächsten Tag das gleiche Farbenspiel nach Aubrac, dem Ort, der der Region seinen Namen gab. Zum übernachten wählte ich Saint-Chély-d’Aubrac. Besonders fiel mir die  Kirche mit ihrem mächtigen Turm  auf.

Die Via Podiensis führte mich nach auf einem Straßenzug in die Stadt St-Côme-d’Olt, der heute wohl noch wie im Mittelalter aussieht. Kein Autofahrer wird dieses Erlebnis je haben. Es war sehr heiß zur Mittagsstunde. Ich setzte mich für ein paar Minuten in die kühle Kirche, bevor ich meinen Weg fortsetzte. Entlang des Flusses Lot erreichte ich Espalion (Bild 5), wo ich übernachtete. Die alten Holzbalkone der Häuser am Fluss sind mir noch in Erinnerung. Am folgenden Morgen ginge es nach Estaing mit seiner gotischen Brücke (Bild 6).

Es waren noch zwei Nächte, bis ich Conques (Bild 7) erreichte. Diese zwei Tage hatte es sehr viel geregnet. Ich nächtigte in Fonteilles in einer Privatunterkunft. Wir waren 5 Pilger und wurden vorzüglich bewirtet. Vom nächsten Übernachtungsort in Sénergues ging ich Richtung Conques. Zum Kloster muss man steil hinabsteigen.  Conques selbst ist schon Wallfahrtsziel. Inzwischen waren so hundert Pilger unterwegs. Ich nahm mir Zeit für meine Besichtigungen.

Abends wird dem Pilger das Tympanon mit dem Weltgericht (Bild 8) erklärt. Leider reichten meine bescheidenen Französischkenntnisse nicht aus, dem Mönch zu folgen. In der Klosterkirche ist danach Orgelkonzert mit Lichteffekten. Hierbei wird der Innenraum auf verschiedener Weise beleuchtet. Musik ist eben international.

Tipp: Wer wenig Zeit hat, sollte von Le Puy bis Coques pilgern!

Es folgte eine Übernachtung in Livinhac-le-Haut und weiter ging ich bis Figeac. Der Place des Écritures und die romanische Kirche Notre-Dame du Puy waren natürlich Pflichtprogramm.

Über Cajarc und Varaires, teils auf alten Römerstraßen, erreichte ich Cahors. Bereits auf der Brücke (Pont Louis-Philippe) zur Innenstadt werden die Pilger in einem kleinen Haus empfangen. Ich bekam zu Trinken und man ist bei der Übernachtungssuche behilflich.

Tipp: Im Kreuzgang der Kathedrale die Seele baumeln lassen!

Die Brücke Valentré führte mich am folgen Tag hinaus aus der Stadt. Mein Tagesziel war Lascabanes, welches ich im starken Regen erreichte. Hier bekommt der Pilger beim abendlichen Gottesdienst die Füße gewaschen. Das anschließende Abendessen tröstete mich über den verregneten Tag hinweg.

Jetzt hörte der Regen auf und es ging über Lauzerte nach Moissac. Natürlich musste kurz vor der Stadt noch der berühmte Taubenschlag (Bild 9) fotografiert werden.

Hauptsehenswürdigkeit in Moissac ist natürlich der Kreuzgang und die Abteikirche (Bild 10). Die Stadt verlässt man entlang des Flusses Garonne. Entlang der Strecke wurde ich wieder von einem Pilgerverein mit Getränke und Essen versorgt. Man kann sich in Frankreich wohlfühlen. Der größte Mentalitätsunterschied fiel mir nur am Kernkraftwerk bei Auvillar auf. Die deutschen Pilger störten sich am Anblick der Kühltürme, die Franzosen fotografierten stolz die technische Errungenschaft. Ich übernachtete in St-Antoine.

Der viele Regen hatte auch etwas Gutes. In Flamarens konnte ich bereits den ersten Blick auf die Pyrenäen (Bild 11) werfen. Doch zuerst wanderte ich bis Lecteuer (Bild 12). In den Straßen suchte in nach einer Unterkunft, da ich nicht, wie in Frankreich üblich, vorreserviert hatte.

Es waren nur zwei Personen auf der Straße. Ein junger Mann und eine ältere Frau. Der junge Mann merkte gleich, dass ich Deutscher war und sagte zu mir: „Die Frau ist die Mesnerin und im Pfarrhof haben sie Zimmer für Pilger!“  Ich war nicht einmal erstaunt, denn diese  Z u f ä l l e  sind mir auf all meinen Pilgerreisen schon oft  z u g e f a l l e n.

Weiter ging es nach Condom, dem Markt am „Zusammenfluss“. Das Ortschild fotografieren nur die Deutschen.
Reizvolle Landschaft, Lamothe, Éauze, Manciet und Nogaro führten mich nach Aire-sur-l’Adour. Es war gerade Stadtfest. Eine baskische Band trat auf. Hier merkte ich, wie nahe ich meinem Pilgerziel St-Jean-Jean-Pied-de-Port bereits war. Als Pilger trifft man immer wieder auf diese Feste. Oftmals wird man herzlich eingeladen.

Am übernächsten Tag in Arthez-de-Béarn  war man den Pyrenäen so richtig nah.

Navarrex war der letzte größere Ort auf meiner Pilgerschaft. Die Stadt verlässt man durch die mächtige Stadtbefestigung (Bild 13).
Das Baskenland war erreicht. Man erkennt es an der Architektur der Häuser und an den zweisprachigen Ortstafeln. Ich nächtigte  noch in  Aroue und Ostabat.

Der letzte Tag meiner Pilgerschaft führte mich über bergiges Gelände (Bild 14) nach Saint-Jean-Pied-de-Port (Bild 15), den Ort, den ich von meinen Pilgerschaften am Camino Francés schon kannte.

Es war ein herrlicher Sonnentag und somit ein schöner Abschluss für meinen Pilgerschaft am Französischen Jakobsweg. 

Jetzt war das Geheimnis gelüftet. Der Weg vor „dem Camino“ ist mehr als eine Reise wert. Die Landschaft der Aubrac und die französische Küche werden mir unvergesslich in Erinnerung bleiben.

Alexander Bürger