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Pilgern auf der Via Podiensis - dem beliebtesten Jakobsweg in Frankreich

Pilgern auf der Via Podiensis

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Die Via Podiensis gehört zu Recht zu den beliebtesten französischen Jakobswegen. Landschaftlich, kulturell und kulinarisch hat sie eine unvergleichliche Vielfalt zu bieten. Mit über 700 Kilometern ist sie beinahe so lang wie der spanische Hauptweg und ist daher entweder eine schöne Wegalternative oder auch ein Verbindungsstück zwischen den deutschen und spanischen Wegen für Pilger, die den gesamten Weg von der Heimat bis Santiago laufen möchten. Sie beginnt im malerischen Le Puy-en-Velay und endet in Saint Jean Pied-de-Port, dem Startpunkt des Camino Francés an der französisch-spanischen Grenze in den Pyrenäen.

Geschichte und Entwicklung

Der Name der Via Podiensis leitet sich aus dem lateinischen Begriff „Via“ (= Weg) und „Podium“ (= Le Puy, = Bergkuppe) her. Dass dieser Name gerechtfertigt ist, findet jeder sofort beim Betreten des Startpunktes in Le Puy heraus. Das Stadtbild wird von den steil aufragenden Felsen geprägt, auf denen sich die berühmte Marienstatue und eine Kirche befinden. Schon im zehnten Jahrhundert pilgerten die ersten hohen Kleriker von der Kathedrale Notre-Dame de l’Annonciation (zu Deutsch Verkündung) in Richtung Santiago.

Die weitreichende Geschichte findet sich auch unterwegs stetig wieder und besonders viele historische Ortschaften und malerische Dörfer finden sich entlang des Weges. 
Der Wegverlauf ist deckungsgleich mit den französischen Fernwanderweg GR65 (grande randonnée) und ist durch die oft doppelte Markierung sehr gut ausgeschildert. Wanderer und Pilger folgen entweder den rot-weißen Balken oder der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund. Die doppelte Nutzung dieses Weges hat auch für ein großes Angebot an Herbergen gesorgt, sodass trotz der relativ dünnen Besiedlung der Regionen ausreichend Infrastruktur zur Verfügung steht.

Streckenverlauf und Sehenswertes

Ein paar Tage Aufenthalt am Startpunkt können gleichzeitig auch als Einstiegstraining genutzt werden. So liegen die Kathedrale, die Marienstatue und die Kirche Saint-Michel d’Aiguilhe jeweils auf Felsenkuppen und werden über zahllose Stufen erreicht. Vor allem der Ausblick aus der Kathedralenpforte die schier endlose Treppe herunter auf die Stadt ist ein einmaliges Erlebnis, beliebtes Fotomotiv und gelungener Einstieg in den Pilgeralltag. Die Treppe reicht bis mitten in die Haupthalle der Kathedrale, wo eine Nachbildung der berühmten schwarzen Madonna besichtigt werden kann und in einem kleinen Laden Pilgerausweis, Muschel und Infomaterial besorgt werden kann. Auch ein Pilgerbuch, in das man sich eintragen kann, liegt dort aus. 

Nach der traditionellen Pilgermesse startet die Reise nun und verläuft zunächst durch Wälder und Wiesen über zahlreiche Berge. Direkt zu Beginn gilt es, einige Steigungen im französischen Zentralmassiv zu bewältigen, sodass man sich nicht zu viel zumuten und die Etappen eher kurz planen sollte. Der vulkanische Ursprung der Velay-Region hat zahlreiche Schluchten und Berge kreiert und fesselt schon von Anfang an die Pilger mit beeindruckenden Aussichten. Auf den nächsten Etappen finden sich meist nur kleinere Ortschaften und Städte entlang des Weges. Die Landschaft verändert sich mit Eintritt in die Aubrac-Hochebene.

Der Begriff Ebene sollte aber nicht zu Fehlschlüssen verleiten. Es geht immer noch häufig auf und ab, flache Landschaft sucht man hier vergebens. Die Landschaft ist geprägt von weitläufigen grünen Wiesen und Weiden, kleinen Steinmäuerchen, großen runden Findlingen und den hübschen Aubrac-Rindern mit ihren schwarz umrandeten Augen und dem honiggelben Fell.

Die Landschaft und dünne Besiedlung lässt Ruhe in die Pilgerreise einkehren. Nichtsdestotrotz gibt es viel zu sehen und auch zu probieren, zum Beispiel das regionaltypische Gericht Aligot; ein mit Käse durchzogener Kartoffelbrei, der sehr schmackhaft, aber auch mächtig ist. Städte wie Aubrac, Conques und Figeac sind nicht nur absolute Highlights, sondern für manche Pilger auch ein kleiner Kulturschock, da auch viele Touristen täglich die vielen Sehenswürdigkeiten und geschichtsträchtigen Gemäuer besuchen wollen. Die Nachmittagsstunden sollten dort eher für Nickerchen und Wäsche genutzt werden, während man in den frühen Morgenstunden und am Abend mehr Ruhe für Besichtigungen oder Restaurantbesuche hat.

 via podiensis

©bobroy20/fotolia.com

Nach dem Aubrac-Hochland folgen die Kalkplateaus (Causses du Quercy genannt). Dieses Naturschutzgebiet zeigt wieder eine völlig andere Seite der französischen Flora und Fauna. Die Etappen sind nun von weniger Steigungen geprägt und die Umgebung zeichnet sich vor allem durch viele Wälder, Heidelandschaften und herbstlich anmutender Landschaft aus. Städte wie Cajarc, Cahors und Moissac sind nicht nur wieder mit vielen Sehenswerten Denkmälern ausgestattet, sondern sind auch wahre Pilgerhochburgen und oft auch Startpunkt für viele Pilger. 

Nach einiger Zeit gelangen die Wanderer von den Causses zum Gascogne-Tiefland. Dort sind mit Lectoure, Condom und Eauze wieder städtische Highlights entlang des Weges. Vor allem das mittelalterliche Städtchen Conques ist ein ganz besonderer Zwischenstopp. Die Kathedrale mit dem kunstvoll gestalteten Tympanon, das Kloster und das mittelalterliche Stadtbild verleiten viele Pilger zu einem längeren und definitiv lohnenswerten Aufenthalt.

Der Jakobsweg verläuft hier durch die Region Armagnac, wo der gleichnamige Weinbrand auch in vielen Herbergen zur Verkostung angeboten wird. Schließlich gelangen die Pilger auch in die letzte Region, das Baskenland. Das Pyrenäenvorland ist noch von sanften Hügeln und mäßigen Steigungen geprägt, sodass nach den harten Etappen zu Beginn der Reise nun ein sanfter Ausklang stattfindet. Nach wie vor finden sich entlang des Weges etliche historische Kleinstädte und Ortschaften, in denen die Pilger sich abends gerne in den zahlreichen Bistros und Bars zusammenfinden, um den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen und sich auf das nahende Ende der Pilgerreise einzustimmen.

In Saint-Jean Pied-de-Port endet die Via Podiensis und der Camino Francés beginnt. Das kleine historische Städtchen ist somit Start und Ziel zugleich, was sich auch in der großen Menge an Pilgern in den Straßen widerspiegelt. Auf der gepflasterten Hauptstraße ist entsprechend eine Herberge an die nächste gereiht und auch Pilgerbüros und Souvenirshops sind überall vertreten. In den umliegenden Straßen befinden sich eher Restaurants, Hotels und Geschäfte, wo sich viele Touristen und Einheimische unter die Pilger mischen.

Abreise oder Fortsetzung

Als Start- und Zielort gleichermaßen ist Saint Jean Pied-de-Port mit dem Zug und Bus gut zu erreichen. Viele reisen mit dem Zug nach Biarritz, von wo aus auch viele Billigfluglinien nach Deutschland verkehren. Wer seine Pilgerreise hier nicht enden lassen möchte, kann entweder auf dem Camino Francés oder dem Camino del Norte weitermachen. Der Camino Francés startet direkt in Saint Jean und führt über die Pyrenäen nach Spanien. Der Startpunkt des Küstenwegs in Hendaya beziehungsweise Irun ist mit dem Zug von Saint Jean aus ebenfalls gut zu erreichen.

Strecke der Via Podiensis:

  • Tag. Anreise nach Le Puy-en-Velay.
  • Tag: St-Privat
  • Tag: Saugues
  • Tag: Les Faux-St. Alban
  • Tag: Aumont Aubrac
  • Tag: Nasbinals
  • Tag: St-Chely d’Aubrac
  • Tag: Espalion am Lot
  • Tag: Estaing
  • Tag: Espeyrac oder Golinhac
  • Tag: Conques
  • Tag: Decazeville
  • Tag: Figeac
  • Tag: Cajarc
  • Tag: Limogne
  • Tag: Lalbenque
  • Tag: Cahors
  • Tag: Montcuq
  • Tag: Durfort Lacapelette
  • Tag: Moissac
  • Tag: Auvillar
  • Tag: Lectoure
  • Tag: La Romieu
  • Tag: Condom
  • Tag: Lassere bei Montréal
  • Tag: Eauze
  • Tag: Nogaro
  • Tag: Aire sur l’Adour
  • Tag: Miramont-Sensacq
  • Tag: Larreule
  • Tag: Maslacq
  • Tag: Navarrenx
  • Tag: St. Palais
  • Tag: Larceveau
  • Tag: St. Jean Pied de Port

 

 

Erlebnisbericht: Via Podiensis

Wie sieht wohl der Weg vor dem berühmten Camino Francés aus? Diese Frage beschäftigte mich seit meinen zwei Pilgerschaften auf DEM JAKBOBSWEG. Das Ziel wird also dieses Mal nicht Santiago de Compostela, sondern Saint-Jean-Pied-de-Port sein. Ich wählte den Zug über Genf und Lyon für die Anreise nach Le Puy-en-Velay, der Stadt mit dem berühmten Vulkankegel (Bild 1). Hier beginnt die Via Podiensis, stand gemeißelt auf einem Haus in der Innenstadt!

©Alexander Bürger

Es war früher Nachmittag und ich hatte noch genügend Zeit, die Stadt zu besichtigen. Jeden Tag werden die Jakobspilger in der Kathedrale Notre-Dame für ihre Pilgerschaft ausgesegnet. Es waren sicherlich mehr als 40 Personen. Eine Landshuterin sprach mich mit Namen an….?? Sie kannte mich von einem meiner Vorträge. Vor der Kathedrale hat man diesen Blick (Bild 2), der in so vielen Büchern abgebildet ist. Von hier sind es rund 1.600 km noch Santiago de Compostela, oder 870 km bis Saint-Jean-Pied-de-Port.

Wegen der langen Bahnanreise hatte ich sehr gut geschlafen. Hinter der Stadt ging es durch steinige Landschaft und kleine Dörfer bis Saint-Privat-d’Allier. Ich schlief in einem kleinen Hotel mit vielen anderen Pilgern. Die Pilger bilden auf den Wegen sofort eine Gemeinschaft. Über Berge, Täler und die Eifel-Bücke von 1888 ging es schließlich nach Saugues. Leben wie Gott in Frankreich heißt als Pilger „Essen wie Gott in Frankreich“. In allen Orten des Weges kann man die französische Küche mit all ihren Delikatessen genießen. Zurückhaltung ist hier nicht angesagt! Auf den Wanderetappen werden die Kalorien schnell verbrannt…

Der nächste Tag führt über den Margeride-Pass, den zweithöchsten Punkt des Weges in Frankreich, nach St-Alban-sur-Limagnole. Vor 100 Jahren ein Urlaubsort für wohlhabende Pariser, dann fast ausgestorben, heute durch die Pilger wiederbelebt. Der nächste Ort mit dem Namen Aumont-Aubrac deutete die Landschaft schon an. Die AUBRAC! In vielen Jakobswegbüchern als der schönste Teil des gesamten Jakobswegs beschrieben. Eine Tatsache, die ich nur bestätigen kann. Die vielen grünen Töne, die Grautöne der Granitsteine…. Eine Traumkomposition der Schöpfung (Bild 3). Am Übernachtungsort Nasbinals setzen sich die Grautöne in den Mauern der Gebäude fort (Bild 4).

©Alexander Bürger

Am nächsten Tag das gleiche Farbenspiel nach Aubrac, dem Ort, der der Region seinen Namen gab. Zum übernachten wählte ich Saint-Chély-d’Aubrac. Besonders fiel mir die  Kirche mit ihrem mächtigen Turm  auf.

Die Via Podiensis führte mich nach auf einem Straßenzug in die Stadt St-Côme-d’Olt, der heute wohl noch wie im Mittelalter aussieht. Kein Autofahrer wird dieses Erlebnis je haben. Es war sehr heiß zur Mittagsstunde. Ich setzte mich für ein paar Minuten in die kühle Kirche, bevor ich meinen Weg fortsetzte. Entlang des Flusses Lot erreichte ich Espalion (Bild 5), wo ich übernachtete. Die alten Holzbalkone der Häuser am Fluss sind mir noch in Erinnerung. Am folgenden Morgen ginge es nach Estaing mit seiner gotischen Brücke (Bild 6).

©Alexander Bürger

Es waren noch zwei Nächte, bis ich Conques (Bild 7) erreichte. Diese zwei Tage hatte es sehr viel geregnet. Ich nächtigte in Fonteilles in einer Privatunterkunft. Wir waren 5 Pilger und wurden vorzüglich bewirtet. Vom nächsten Übernachtungsort in Sénergues ging ich Richtung Conques. Zum Kloster muss man steil hinabsteigen.  Conques selbst ist schon Wallfahrtsziel. Inzwischen waren so hundert Pilger unterwegs. Ich nahm mir Zeit für meine Besichtigungen.

©Alexander Bürger

Abends wird dem Pilger das Tympanon mit dem Weltgericht (Bild 8) erklärt. Leider reichten meine bescheidenen Französischkenntnisse nicht aus, dem Mönch zu folgen. In der Klosterkirche ist danach Orgelkonzert mit Lichteffekten. Hierbei wird der Innenraum auf verschiedener Weise beleuchtet. Musik ist eben international.

Tipp: Wer wenig Zeit hat, sollte von Le Puy bis Coques pilgern!

Es folgte eine Übernachtung in Livinhac-le-Haut und weiter ging ich bis Figeac. Der Place des Écritures und die romanische Kirche Notre-Dame du Puy waren natürlich Pflichtprogramm.

Über Cajarc und Varaires, teils auf alten Römerstraßen, erreichte ich Cahors. Bereits auf der Brücke (Pont Louis-Philippe) zur Innenstadt werden die Pilger in einem kleinen Haus empfangen. Ich bekam zu Trinken und man ist bei der Übernachtungssuche behilflich.

Tipp: Im Kreuzgang der Kathedrale die Seele baumeln lassen!

Die Brücke Valentré führte mich am folgen Tag hinaus aus der Stadt. Mein Tagesziel war Lascabanes, welches ich im starken Regen erreichte. Hier bekommt der Pilger beim abendlichen Gottesdienst die Füße gewaschen. Das anschließende Abendessen tröstete mich über den verregneten Tag hinweg.

Jetzt hörte der Regen auf und es ging über Lauzerte nach Moissac. Natürlich musste kurz vor der Stadt noch der berühmte Taubenschlag (Bild 9) fotografiert werden.

©Alexander Bürger

Hauptsehenswürdigkeit in Moissac ist natürlich der Kreuzgang und die Abteikirche (Bild 10). Die Stadt verlässt man entlang des Flusses Garonne. Entlang der Strecke wurde ich wieder von einem Pilgerverein mit Getränke und Essen versorgt. Man kann sich in Frankreich wohlfühlen. Der größte Mentalitätsunterschied fiel mir nur am Kernkraftwerk bei Auvillar auf. Die deutschen Pilger störten sich am Anblick der Kühltürme, die Franzosen fotografierten stolz die technische Errungenschaft. Ich übernachtete in St-Antoine.

Der viele Regen hatte auch etwas Gutes. In Flamarens konnte ich bereits den ersten Blick auf die Pyrenäen (Bild 11) werfen. Doch zuerst wanderte ich bis Lecteuer (Bild 12). In den Straßen suchte in nach einer Unterkunft, da ich nicht, wie in Frankreich üblich, vorreserviert hatte.©Alexander Bürger

Es waren nur zwei Personen auf der Straße. Ein junger Mann und eine ältere Frau. Der junge Mann merkte gleich, dass ich Deutscher war und sagte zu mir: „Die Frau ist die Mesnerin und im Pfarrhof haben sie Zimmer für Pilger!“  Ich war nicht einmal erstaunt, denn diese  Z u f ä l l e  sind mir auf all meinen Pilgerreisen schon oft  z u g e f a l l e n.

Weiter ging es nach Condom, dem Markt am „Zusammenfluss“. Das Ortschild fotografieren nur die Deutschen.
Reizvolle Landschaft, Lamothe, Éauze, Manciet und Nogaro führten mich nach Aire-sur-l’Adour. Es war gerade Stadtfest. Eine baskische Band trat auf. Hier merkte ich, wie nahe ich meinem Pilgerziel St-Jean-Jean-Pied-de-Port bereits war. Als Pilger trifft man immer wieder auf diese Feste. Oftmals wird man herzlich eingeladen.

Am übernächsten Tag in Arthez-de-Béarn  war man den Pyrenäen so richtig nah.

©Alexander Bürger

Navarrex war der letzte größere Ort auf meiner Pilgerschaft. Die Stadt verlässt man durch die mächtige Stadtbefestigung (Bild 13).
Das Baskenland war erreicht. Man erkennt es an der Architektur der Häuser und an den zweisprachigen Ortstafeln. Ich nächtigte  noch in  Aroue und Ostabat.

Der letzte Tag meiner Pilgerschaft führte mich über bergiges Gelände (Bild 14) nach Saint-Jean-Pied-de-Port (Bild 15), den Ort, den ich von meinen Pilgerschaften am Camino Francés schon kannte.

©Alexander Bürger

Es war ein herrlicher Sonnentag und somit ein schöner Abschluss für meinen Pilgerschaft am Französischen Jakobsweg. 

Jetzt war das Geheimnis gelüftet. Der Weg vor „dem Camino“ ist mehr als eine Reise wert. Die Landschaft der Aubrac und die französische Küche werden mir unvergesslich in Erinnerung bleiben.

Alexander Bürger

Ein weiterer Erlebnisbericht: Via Podiensis

Der circa achthundert Kilometer lange Jakobsweg von Le Puy bis Saint Jean Pied-de-Port war und ist für mich persönlich die schönste aller Pilgerstrecken. In Deutschland, Frankreich und Spanien bin ich bisher noch keinen Weg gelaufen, der Landschaftlich schöner und abwechslungsreicher wäre, als dieser Teil.

Allein der Start in Le Puy ist etwas Besonderes. Die Vulkankegel, auf denen die riesige Marienstatue und eine Kirche liegen bestimmen das Stadtbild. Die Kathedrale selbst hatte mich weniger beeindruckt, als ihre Lage. Über zahlreiche Stufen, die letztendlich bis mitten in die Kirche führen, gelangte ich zum Hauptportal. Von dort hat man eine eindrucksvolle Aussicht über die Stadt und die unzähligen Touristen, Pilger und Einheimischen in den Straßen.

Vor- und Nachteil dieses Startpunkts: Aufgrund seiner geographischen Lage im französischen Zentralmassiv beginnt die Pilgerreise in Le Puy mit einigen Auf- und Abstiegen, die es in sich haben. Genau diese Auf- und Abstiege bieten aber im Gegenzug auch die unvergesslichsten Aussichten. Das vulkanische Velay, die Schluchten des Flusses Allier, die umwerfende weitläufige Region des Aubrac und schließlich die Region der Midi-Pyrénées überraschten mich fast täglich mit neuen faszinierenden Ausblicken und Sehenswürdigkeiten.

Dieser naturbelassene Pilgerweg sorgt dafür, dass man trotz den körperlichen Anforderungen des täglichen Pilgerns jeden Abend spürt, wie erholsam diese Kulisse auf Körper und Geist wirkt. Jedes Mal, wenn ich dachte, es sei unmöglich, dass dieser Weg noch schöner werde, wurde ich eines Besseren belehrt. Und wenn man allein mit Flora und Fauna dieser Strecke schon Bücher füllen könnte, wären es wohl ganze Buchbände in Hinblick auf die Geschichte und Kultur dieser Gegend. Die Via Podiensis ist voller mittelalterlicher Städtchen und Städte, Kathedralen und Kirchen, mit den dazugehörigen Geschichten und Legenden. Ich bekam das Gefühl, wirklich ein Stück historischen Pilgerweg zu laufen. Auch wenn die Strecke schon ungefähr einen Monat in Anspruch nimmt, hatte ich doch das Gefühl, noch viel zu wenig Zeit zu haben, um alle interessanten Orte zu besichtigen und die ganze Vielfalt dieser Regionen in mich aufnehmen zu können.
Zuhause hörte ich vorab viele Vorurteile über „die“ Franzosen. Sie seien den Deutschen gegenüber zurückhaltend, manchmal sogar feindselig und generell eher arrogant und verschlossen. Was mir während meiner Reise begegnete, war das absolute Gegenteil. Egal ob Mitpilger, Herbergswirt oder Einheimischer – alle behandelten mich außerordentlich höflich, hilfsbereit und waren sehr aufgeschlossen!

Die Mitpilger waren größtenteils älter als ich und ein ums andere Mal wurde ich überrascht, als ich (als nicht unsportliche 25-jährige) immer wieder von Rentnern (teils sogar über 75, wie sich bei späteren Gesprächen herausstellte!) überholt wurde. Der Altersunterschied und auch die verschiedenen Nationalitäten der Pilger stellen auf diesem Weg absolut kein Hindernis dar. Während man im normalen Alltag mit manchen Leuten kaum ins Gespräch kommen würde, hatte man hier direkt etwas gemeinsam, tauschte sich aus und lernte sich kennen. Ich stellte fest, dass vor allem die französischen Pilger sehr gerne mit mir über die Unterschiede in Politik und Kultur zwischen Frankreich und Deutschland redeten. Ganze Abende konnten wir mit Gesprächen über französische Küche, ihre Streikkultur und Vorurteile gegenüber Pariser Bürger, über deutsches Bier, Brot, Disziplin und Bürokratie füllen. Aber immer auf einer freundschaftlichen respektvollen Weise.

Es ist ohne Frage ein körperlich anspruchsvoller Weg, zumindest in den ersten Tagen. Aber dafür erlebt man eine einmalige Landschaft, sowohl in der Natur als auch in den Städten. Und vor diesem Hintergrund auch noch so viele herzliche, aufgeschlossene und humorvolle Menschen zu treffen ist kaum noch zu überbieten. Für mich war es die erlebnisreichste, schönste, erholsamste und vielseitigste Strecke, die ich von allen Jakobswegen gelaufen bin. Und wer erst einmal in Saint Jean Pied-de-Port steht, wird mit Sicherheit wiederkommen, um auf dem Camino Francés weiterzumachen.

Ruth R.

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