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Pilgern Münchner Jakobsweg 2021 Erlebnisbericht von Alexander Bürger

Bereits vor 10 Jahren bin ich den Münchner Jakobsweg gepilgert. Auch mehrere Gruppen habe ich schon auf Teilabschnitten begleitet. Im August des Corona-Jahres 2021 brach ich erneut auf, um den ganzen „Münchner Camino“ von der Landeshauptstadt nach Lindau zu gehen.

Münchner Jakobsweg

1. Etappe  München - Schäftlarn

München ist mir gut bekannt. Hier habe ich ein paar Jahre meines Lebens gearbeitet. Beim Alten Rathaus fiel mir die erste Wegmarkierung mit dem Muschelsymbol auf. Ich ging zum St.-Jakobs-Platz, wo heute die neuerrichtete Synagoge mehr Touristen anzieht, als die Kirche St.-Jakob-am-Anger. In der Synagoge machte ich bereits vor einiger Zeit eine interessante Führung, so dass ich mir gleich in der Jakobskirche meinen ersten Pilgerstempel holte. Jeden Tag mindestens ein Stempel, als Nachweis für die Pilgerschaft....

Münchner Jakobsweg - St. Jakob am Anger
Münchner Jakobsweg - St. Jakob am Anger                                                                                    www.wandern.de/privatbild

Nun ging es für mich also zum zweiten Mal auf den Münchner Jakobsweg zum Bodensee.

Das Ufer der Isar ist vom Jakobsplatz schnell erreicht und der Fluss wird uns Pilgernde heute bis zum Kloster Schäftlarn begleiten. Die Sonne verschwand etwas hinter den Wolken wodurch es ein angenehmer erster Pilgertag werden sollte. Auch der laute Marienplatz mit den vielen Touristen war schnell vergessen und die Ruhe, die Pilgernde so suchen, zog ein. Vorbei an der Ludwigsbrücke und der Corneliusbrücke gelangt man zum Tiergarten Hellabrunn und schließlich zum Flaucher. Das beliebte Naherholungsgebiet wurde gerade von Surfern gut genutzt. Urlaub vor der Haustüre in schwierigen Zeiten! Ich ging noch zum Denkmal „Der Isarflößer“.

Blick in das Isartal Münchner Jakobsweg
Blick in das Isartal                                                                                                                               www.wandern.de/privatbild

Hinter der Großhesseloher Brücke geht es erstmals etwas bergan und die Pilgernden können einen herrlichen Blick über das Isartal genießen. Dann wird Pullach erreicht. Wir Pilgernde lassen uns vom Geheimdienst nicht abschrecken! Hier in Pullach wurde es auch Zeit für meine Mittagspause. Ich ging ins Wirtshaus gleich bei der Kirche. Eine Suppe sollte mir heute reichen. Es geht noch etwas über dem Isartal weiter. Auf der Höhe bei Grünwald folgt man Stufen hinab ins Tal zum Isarufer. Jetzt folgt der schönste Teil des Tages. Ein herrlicher Waldweg entlang der Isar führt zum Georgenstein, der Mitten im Fluss steht. Ich habe diesen Tag fast 30 Pilgernder gezählt, die sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf ihren Camino gemacht haben.  Schließlich erreichte ich das Kloster Schäftlarn mit seiner wunderbaren Kirche.

Münchner Jakobsweg - Georgenstein in der Isar
Georgenstein in der Isar                                                                                                                     www.wandern.de/privatbild

Für Barock-Freunde ist dieser Weg wohl das Highlight unter den Pilgerwegen in Deutschland. Der Pilgerstempel liegt beim Eingang und für das leibliche Wohl sorgt die Gaststätte auf der anderen Straßenseite. Beim Überqueren der Straße hätte mich fast ein Radfahrer erfasst, der den steilen Berg in Vollgeschwindigkeit herabkam. Aber für Pilger sollen ja höhere Kräfte sorgen.... Nach dem Abendessen ging es ins Bett und ich freute mich schon auf den nächsten Tag. 

(22,8 km, 560 m bergauf, 520 m bergab)

2. Etappe  Schäftlarn - Andechs

Beim Kloster geht es gleich sehr steil bergan. Bereits nach ein paar Metern ist eine kleine Kapelle am Weg. Weiter bergan erreicht man Ebenhausen. Hier ging ich zunächst zum Supermarkt und deckte mich mit Proviant für den Tag ein. In Corona-Zeiten sollte man besser immer etwas Vorrat im Rucksack haben. An der katholischen Kirche St. Benedikt von Ebenhausen machte ich erneut eine kleine Pause.

Münchner Jakobsweg Weg von Schäftlarn
Weg vor Neufahrn                                                                                                                                                                                                                                                                    www.wandern.de/privatbild

Der Bau aus den 60ern ist in keinem Reiseführer erwähnt. Gerade deshalb ging ich in das Gotteshaus um mich von der Architektur spirituell begeistern zu lassen. Kirchen aus dieser Zeit reizen mich irgendwie besonders. Jetzt musste ich mich aber wieder auf den Weg machen. Durch einen kleinen Wald gelangen die Pilgernden nach Neufahrn. Rund einen Kilometer vor dem Ort steht eine kleine Waldkapelle, die der Gottesmutter geweiht ist. Eine Jakobsmuschel ist an ihr angebracht. In Neufahrn lohnt die St.-Martins-Kirche einen Besuch. Diesen Tag war nicht das beste Wetter und ich nutzte die Kirche um mich etwas vor dem Regen zu schützen.

Hinter Neufahrn wurde eine Obstbaumallee angebaut. Hier können sich die Pilgernden auf dem Münchner Jakobsweg mit Vitaminen eindecken. Schließlich wird Hartkirchen und dann der Starnberger See erreicht. Der wunderschöne See mit Blick auf die Alpen machte diese Gegend nicht umsonst zu einer exklusiven Wohngegend in  Deutschland. Jakobspilger umwanden den See in der Regel am Nordufer. Ich kannte die Gegend sehr gut, daher ging es bei mir gleich hinter Starnberg weiter auf meinem Jakobsweg. (Hier könnte man einen Abstecher nach Possenhofen machen, sollte man Sissi-Fan sein...)

Münchner Jakobsweg - Maisinger Schlucht
Maisinger Schlucht                                                                                                                              www.wandern.de/privatbild

Es folgt ein weiteres Tageshighlight mit der Maisinger Schlucht. Auf der Strecke kann die Pilgerseele so richtig baumeln. Regen klopfte an die Blätter der Bäume und der Maisinger-Bach sang sein Lied, einfach poetisch....    Momente, die ich bestimmt nicht mit Musik aus dem MP3-Player unterbreche. Schließlich wird Maising erreicht. Im Zentrum biegt man gleich wieder ab und wandert zum Maisinger See.

Es war Zeit für die Pause am Biergarten. Ein wunderbares Lokal mit tollen Angeboten für den kulinarischen Genuss. Wald und Felder begleiteten mich nun nach Aschering. Die kleine Kirche war leider verschlossen. Hinter Aschering geht es zunächst wieder durch Wald und über Felder und schließlich wird der erste Blick auf Andechs erreicht. Ein montierter Bilderrahmen sorgt für das perfekte Foto vom Heiligen Berg. Der Kreuzweg begleitete mich zunächst ins Tal, dann ging es wieder bergan zum Kloster Andechs. In Andechs gibt es genug Speisemöglichkeiten für die Pilgernden.

Münchner Jakobsweg - Blick auf Kloster Andechs
Blick auf Kloster Andechs                                                                                                                   www.wandern.de/privatbild

Die Kirche ist ein wahres Gedicht für den Barock-Freund. Auch der Musik-Freund findet mit dem Grab von Carl Orff ein besondere Pilgerstätte. Ich stärkte mich im Biergarten des Klosters mit Leberkäse und einer Maß Bier. Hier in Andechs hatte ich auch mein Hotel für die Nacht gebucht. Am Abend machte ich noch einen Sparziergang durch den kleinen Ort.

(27 km, 425 m bergauf, 310 m bergab)

3. Etappe -  Doppeletappe Andechs - Wessobrunn

Vom Kloster Andechs führt der Münchner Jakobsweg  durch malerischen Laubwald nach Herrsching. Hier habe ich fast drei Jahre gewohnt. In Herrsching wusste jeder, dass man sich die 5 Kilometer zum Kloster Andechs eventuell „hinaufquälen“ muss aber der Rückweg nach mehreren Litern Starkbier fast von selbst gelingt, grins....

Im Ort führt der Jakobsweg etwas entlang des Ammersees bis man schließlich nach Rausch hinaufpilgert. An der kleinen Kapelle kann man einen wunderbaren Blick auf den See genießen. Sehr ruhig pilgerte ich nun weiter nach Breitenbrunn. Auch hier gibt es eine futuristische Kirche, die sehr sehenswert ist. Weiter geht’s nach Buch und es folgt eine wunderbare Waldpassage am Ufer des Sees. In Stegen umwandert man den Ammersee und gelangt schließlich nach Schondorf mit der romanischen Jakobuskirche, die aus dem Jahr 1149 stammen soll. Ein Kraftort, der mir persönlich mehr Ruhe bringt, wie Barock-Kirchen. Hier in Schondorf war es auch Zeit für die späte Nach-Mittagspause in einem Lokal am Ufer.

Münchner Jakobsweg - Weg nach Herrsching durch Laubwald
Weg nach Herrsching durch Laubwald                                                                                             www.wandern.de/privatbild

….

Der Jakobsweg folgt weiter dem See und meine nächste kurze Pause war die Wallfahrtskirche St. Alban am Ufer des Ammersees. Wieder ein ganz spiritueller Ort. Nun ging es weiter nach Dießen am Ammersee mit dem berühmten Marienmünster. Hier war ich sehr oft zu Orgelkonzerten. Es wurde noch ein herrlicher Tag. Als der Regen vorüber war, entstand ein wunderbares Foto von der Kirche. Ich war nicht der einzige Fotofreund, der die Gelegenheit für ein Foto von der Kirche nutzte. Die Innenansicht der Kirche ist natürlich auch ein ganz großes Muss für jeden Pilger. Wie schön ist unser Oberbayern.....  „Es muss ein Sonntag gewesen sein, als der Herrgott Bayern schuf.“

Münchner Jakobsweg - Blick auf nördlichen Ammersee
Blick auf nördlichen Ammersee                                                                                                         www.wandern.de/privatbild

Vom Münster in Dießen geht es weiter zum Schatzberg und dem Mechthildsbrunnen. Dann folgt der Stille Wald, eine lange Passage die Pilgernde so schätzen. Man erreicht Haid und schließlich Wessobrunn mit seinem einst so bedeutenden Kloster. Es kam zwar wieder Regen auf, aber ich bin auf diese Situationen immer gut vorbereitet. Nun ging es noch zum Abendessen und anschließend ins Bett, wo ich den wunderbaren Pilgertag noch einmal im Gedanken abging. Vielleicht hätte ich die Etappe teilen sollen? Halber Weg, doppelte Entschleunigung ?     

(21 km, 220 m bergauf, 370 m bergab bis Schondorf, 24 km, 350 bergauf, 190 bergab bis Wessobrunn)

4. Etappe  Wessobrunn - Rottenbuch

Der Regen der Nacht war vorüber und schon am Morgen strahle die Sonne wieder. Ich ging zum Frühstück und dann setze ich meinen Münchner Jakobsweg fort. Noch einmal ging ich zur Klosteranlage und sah mir die Gebäude und die wunderbare Kirche ohne den Regen von gestern an. Gleich beim Kloster ist die Thassilolinde eine weitere Sehenswürdigkeit von Wessobrunn. „300 Jahre kommt sie, 300 Jahre bleibt sie, 300 Jahre vergeht sie“ steht auf einer Tafel neben ihr...  Dann hat sie schon viele Pilgernde gesehen, dachte ich mir.

Münchner Jakobsweg -Schlittachbrücke
Schlittbachbrücke                                                                                                                                                                                                                                                                   www.wandern.de/privatbild

Hier an der Linde soll Herzog Tassilo einen Traum gehabt haben und schließlich das Kloster gegründet haben. Auch nett ist der Stumpf eines Maibaums, der zu einer Maria geschnitzt wurde, gleich unterhalb der Linde. In der Bäckerei in Wessobrunn deckte ich mich noch mit Proviant für den Tag ein, da ich ein Mittagspicknick geplant hatte. Es kam zu einer sehr netten Unterhaltung in den doch etwas einsamen Corona-Zeiten.

Münchner Jakobsweg - Weg nach St. Leonard im Forst
Weg nach St. Leonard im Forst                                                                                                           www.wandern.de/privatbild

Hinter Wessobrunn muss man über die Schlittbachbrücke. Hier traf ich drei Fahrradpilger, die den Weg nach Lindau mit dem Fahrrad fuhren. Jetzt folgt wieder ein atemberaubender Weg, den man in seiner Erinnerung kaum vergessen wird. Grüne satte Wiesen und die Alpen immer im Blick. Es geht nach St. Leonhard im Forst. Die Kirche sah ich mir nur von Außen an und setzte meinen Camino gleich fort, denn es wartete der Hohe Peißenberg. Weiter bleiben uns die Alpen im Blickfeld, bis schließlich eine lange Passage durch Wald folgt, die fast erst in Hetten endet. Dann folgt der Ausstieg. Eigentlich der erste wirkliche Berg auf unserem Münchner Jakobsweg. Oben angekommen, erwartet uns ein unendlich schöner Ausblick auf die Alpenkette mit der Zugspitze.

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt am Berg wurde 1619 geweiht. Hier sollte man sich etwas Zeit nehmen um die ganze Kirche mit den wunderbaren Rokokofresken von Matthäus Günther zu bewundern. Nun folgte der Abstieg auf der anderen Seite des Berges. Im Ort Hohenpeißenberg gab es eine kleine Kaffeepause und schließlich folgte die Wanderung weiter auf dem Münchner Jakobsweg. Nach ein paar Kilometern geht es steil bergab zur Ammer und nach ein paar weiteren Schritten stehen die Pilgernden am Kalkofensteg, dem Einstieg in die wunderbare Schlucht. Über viele Treppen und Leitern geht’s durch wunderbaren Wald, immer mit Blick auf die Ammer. Durch den Regen vom Vortag wurde es zur Rutschpartie und Schlammschlacht. Und trotzdem war die Wanderung sehr schön. Nach der Schlucht ist es nicht mehr sehr weit bis Stift Rottenbuch. Ich sah natürlich nicht besonders sauber aus, als ich mein Hotel betrat. Aber so Tage ist man im Hotel gewohnt.

Münchner Jakobsweg -Kloster Rottenbach
Kloster Rottenbuch                                                                                                                             www.wandern.de/privatbild

Pilgernde setzen sich halt auch Widrigkeiten des Alltages aus und wollen ja den „Wohlfühlbereich“ verlassen. Nach der Säuberung der Kleidung und „meiner Person“ folgte die „innere Reinigung“ in der Klosterkirche von Rottenbuch. Der barocke Glanz, der den Besucher so beeindruckt, wurde in der Kirche erst im 18. Jahrhundert angebracht. Nach einer längeren Besinnung ging ich zurück ins Hotel zum Abendessen. Ich war der einzige Pilger heute im Hotel und so ging ich auch wieder früh zu Bett.   

(26 km, 1.200 m bergan, 940 bergab)

5. Etappe  Rottenbuch - Lechbruck

Ich holte mir nach dem Frühstück noch einmal Kraft in der Klosterkirche von Rottenbuch und setzte meinen Münchner Jakobsweg fort. Über Solder und Kreitfilz geht es nach Wildsteig und schließlich zur „Wies“. Leider war das Wetter am Morgen wieder etwas regnerisch. Die Wallfahrtskirche ist wohl eine der bekanntesten Kirche von Oberbayern. Ihre Rokoko-Ausstattung ist einmalig in der Welt, zeugt aber aus meiner Sicht auch von einer Unmöglichkeit der Steigerung dieser Epoche. Es musste etwas Neues folgen....  An der Wies sollten Pilgernde eine gute Stunde nur für das Gotteshaus einplanen.

Münchner Jakobsweg - Weg zur "Wies"
Weg zur "Wies"                                                                                                                                     www.wandern.de/privatbild

Da ich reichlich gefrühstückt hatte, bestand mein Mittagessen aus 6 Kugeln Eis. Danach folgte die Passage nach Steingaden, die teils auf einen Brettsteg bewältigt wird. Das Münster von Steingaden ist ein weiteres Highlight des Münchner Jakobswegs. Auch hier sollte man sich etwas Zeit nehmen. Die Sonne und blauer Himmel kamen durch als ich meine Tour am Münster fortsetzte. Immer wieder dieser herrliche Blick auf die Alpen, dachte ich mir. Urspring mit seiner Kirche lang nun am Weg und schließlich Prem.

Münchner Jakobsweg - Wieskirche
Wieskirche                                                                                                                                            www.wandern.de/privatbild

Ich ging den Weg über Prem um durch die Lechauen pilgern zu dürfen. Hier traf ich auf ein Pilgerpärchen aus Norddeutschland, die den Weg nicht so richtig fanden. Wir behalfen uns mit meinen beiden Büchern. Vermutlich war eine Wegmarkierung verdreht worden. Dies war aber das einzige derartige Problem auf dem ganzen Weg von München nach Lindau.

Die Passage durch die Lechauen ist ein Traum von Weg. Entlang des Lechs pilgert man nach Lechbruck. Musik im Ohr oder nur der Klang des Wassers und der Bäume und es stellt sich dieses wunderbare Pilgererlebnis ein. Frei wie der Wind und Alles im Rucksack, was gebraucht wird. Entschleunigung und Reduktion auf das Wesentliche.

Münchner Jakobsweg, Blick auf die Alpen
Blick auf die Alpen                                                                                                                              www.wandern.de/privatbild

In Lechbruck hatte ich mein Hotelzimmer, doch vorher stieg ich noch zur Kirche Mariä Heimsuchung hinauf. Auch diese sollte unbedingt besichtigt werden. Ein schöner fünfter Pilgertag ging zu Ende und ich flog glücklich in mein Bett.   

(26 km, 510 m bergan, 620 bergab)

6. Etappe  Lechbruck - Marktoberdorf

Ich startete in Lechbruck am Hotel und kam sogleich zur Jakobuskapelle über dem Ort. Nun ging es über Echerschwang nach Bernbeuren, teils über saftige Wiesen und teils auf sehr schmalen Pfaden. Die Pilgernden erblicken sogleich die Friedhofskirche und dann St. Nikolaus von Bernbeuren. Eine stilisierte Muschel auf einem Kasten vor der Kirche, der den Pilgerstempel bereithält, fiel mir sofort ins Auge. Auch die Innenansicht der Kirche ist eine Augenweide. Ich verbrachte etwas Zeit im Gotteshaus musste mich dann aber wieder auf meinen Münchner Jakobsweg machen.

Münchner Jakobsweg - Weg über Echerschwang nach Bernbeuren
Weg über Echerschwang nach Bernbeuren                                                                                      www.wandern.de/privatbild

Mehrere Hinweistafeln weisen nun den Weg zur Feuersteinschlucht, die Teil des Ausstiegs zum Auerberg ist. In der Schlucht kann die Pilgerseele wieder baumeln. Waldrauschen, Wasser und ein paar Vögel begleiteten mich am Weg. Nach der Schlucht erwartete mich wieder der Blick auf die Alpen, aber auch noch viele Schritte hinauf zum Auerberg. St. Georg am Berg ist wohl das Highlight dieses Pilgertages. Man kann auf den Turm gehen und den Blick in alle Richtungen genießen. Dann folgt der Abstieg auf dem Römerweg nach Stötten.

Münchner Jakobsweg,Bernbeuren
Bernbeuren                                                                                                                                          www.wandern.de/privatbild

Die Kirche St. Peter und Paul am Ort war leider verschlossen. Der ehemaliger „Gasthof Post“ bot bereits Goethe ein Bett. Nun folgt ein weiterer schöner Streckenabschnitt zur Kirche von Burk und dann geht es nach Bertoldshofen mit der herrlichen Pfarrkirche St. Michael. Erst hier machte ich die sehr späte Mittagspause.

Münchner Jakobsweg, Feuersteinschlucht
Feuersteinschlucht                                                                                                                              www.wandern.de/privatbild

So war der Nachmittag sehr kurz, der mich noch nach Marktoberdorf führte. Vor der Stadt pilgert man auf einer wunderschönen Allee. Ich kann mich gut an die Begegnung mit einem „Pilger“ erinnern. Er war eher ein Mensch, der die Welt als Vagabund bereiste und sich mit Gelegenheitsjobs den Lebensunterhalt sicherte.

Münchner Jakobsweg, Weg nach Marktoberdorf
Weg nach Marktoberdorf                                                                                                                   www.wandern.de/privatbild

Beim Schloss Marktoberdorf steht auch eine große Hinweistafel vom Münchner Jakobsweg.  Für eine Besichtigung des Schlosses hatte ich nicht die Zeit eingeplant. Mein Tagesziel war die Frauenkapelle am Marktplatz der Stadt. Mein Hotelzimmer lag etwas Außerhalb und so ging ich noch gut 3 km weiter. Es war wieder ein wunderbarer Tag, bis ich nach Abendbrot die Nachtruhe fand.   

(29 km – 1.190 bergan, 1.320 bergab)

7. Etappe  Marktoberdorf - Kempten

Nach dem Frühstück ging ich zurück zur Frauenkapelle am Marktplatz. Ich frühstückte in einem Café. Der Weg führt von hier nach Thalhofen und weiter nach Geisenried. Die Kirche St. Alban des Ortes ist ebenfalls eine wunderbare Kraftquelle. Nun geht es über Osterberg zur Wallfahrtskirche St. Stephan in Oberthingau.

Münchner Jakobsweg, Weg nach Oberthingau
Weg nach Oberthingau                                                                                                                       www.wandern.de/privatbild

Der Tag begann mit viel Pilgerglück, da eine Frau, evtl. die Messnerin, gerade in der schönen Kirche war und mir viel vom Gotteshaus erklärte. Ich bekam auch einen Tipp, wo ich die besten Fotos der Kirche machen könne. Der Pilgerstempel dieser Kirche sollte in meinem Pilgerbuch nicht fehlen.

Münchner Jakobsweg - Weg nach Kempten
Weg nach Kempten                                                                                                                             www.wandern.de/privatbild

Jetzt folgt ein sehr langer Weg durch den Kempter Wald. Ich telefonierte hier mit einem Bekannten, mit dem ich eine Tour in Böhmen plante. So verging die Zeit wie im Flug und die wunderbare Landschaft zeigte mir einen Vorgeschmack auf die Etappen durch das Allgäu. Die Waldkapelle ist ein Anlaufpunkt auf dieser Etappe. Hier nahm ich mein Mittagessen in Picknickform ein. Ich war auch heute nicht der einzige Pilger. Der Münchner Jakobsweg ist in Deutschland ein sehr stark frequentierter Weg und Corona verlagerte den Tourismus sowieso stark ins Inland.

Münchner Jakobsweg, Wegimpression
Wegimpression Richtung Kempten                                                                                                  www.wandern.de/privatbild

Kempten wurde bald erreicht und ich stand von der St.-Mang-Kirche. Davor befindet sich der Eingang zur Erasmuskapelle. Man kann sich hier auf eine virtuelle Kirchenführung einlassen. Diese hatte ich bereits ein Jahr früher einmal gemacht.

Münchner Jakobsweg , Weg nach Kempten
Weg nach Kempten, Kunst am Wegesrand                                                                                      www.wandern.de/privatbild

Innenstadt, Rathaus und Schloss und natürlich St. Lorenz waren meine Anlaufpunkte in der Stadt.

Münchner Jakobsweg, Kempten
Blick auf Kempten                                                                                                                              www.wandern.de/privatbild

Dann machte ich noch eine Führung im Schloss, bevor ich in mein Hotelzimmer ging. Nach dem Abendbrot erkundete ich noch den Schlosspark und die Fußgängerzone. Es war Sommer und ein paar Kugeln Eis durften es auch noch sein.                                               (31 km, 710 m bergauf, 760 m bergan)

8. Etappe  Kempten - Weitnau

Nach dem Frühstück machte ich mich auf meinen Weg aus dem Zentrum. Es folgte gleich ein Aufstieg zum Marienberg über Kempten. Belohnt wird dieser Morgensport durch einen herrlichen Blick auf die Stadt und später auf die Alpenkette. Der Tag war sonnig und ich war endlich mitten im Allgäu, die Gegend, die ich so sehr liebe. Wunderbare Wege führen nun zum Herrenwiesen-Weiher, kurz vor Ermengeist. Die Kirche Johannes der Täufer liegt hier auf unserem Münchner Jakobsweg. Neben Reisen und Wandern bin ich riesiger Eisenbahn-Fan.

Münchner Jakobsweg, Aufstieg zum Marienberg
Aufstieg  zum Marienberg                                                                                                                   www.wandern.de/privatbild

Der Weg führt hier auf der ehemaligen Bahntrasse nach Buchenberg. Diese verließ ich am alten Bahnhof. Sehenswert ist die Kirche St. Magnus. Hier steht auch eine riesige Tafel „Der Jakobusweg in Bayerisch Schwaben“. Gleich hinter Buchenberg hatte ich wieder diesen wunderbaren Blick auf die Alpen.

Münchner Jakobsweg, Absteig nach Weitnau
Abstieg nach Weitnau                                                                                                                      www.wandern.de/privatbild

Nach viel Wald für die Seele ist Rechtis mit der St-Ulrich-Kirche das nächste Highlight des Tages. Leider war sie gerade von Außen eingerüstet, da eine Renovierung ansteht. Innen wird man erst etwas erstaunt sein. Alles ist in weiß gehalten. Nach Rechtis geht’s hinauf auf den Sonneckgratweg. Ein Höhenweg der die Pilgernden fast bis Weitnau führt.

Münchner Jakobsweg
Wegimpression                                                                                                                                    www.wandern.de/privatbild

Auf dem Weg gibt es eine Schutzhütte in der ich mein Picknick zu Mittag machte. Ich war alleine unterwegs heute. Bisher traf ich keine weiteren Pilger. In Weitnau ging ich in die Touristeninformation. Hier hatten sie noch ein paar Informationen über den Münchner Jakobsweg für mich. Dann ging ich zu Kirche St. Pelagius von Weitnau. Blau ist die dominierende Farbe im Inneren. Kirchenliebhaber werden auf dem Münchner Jakobsweg oft auf ihre Kosten kommen.

Münchner Jakobsweg
Rast auf dem Weg                                                                                                                                www.wandern.de/privatbild

Leider hatte ich nie das Glück einem Orgelkonzert in einer Kirche am Weg bewohnen zu dürfen. Dies gelang mir auf allen meinen anderen Wegen oftmals. Kultur per Zufall, sagte ich immer dazu. Zufall oder zu-ge-fallen? - Hierüber diskutieren Pilgernde oft. Ich ging noch zu meinem Hotelzimmer und verbrachte den Abend am Ort. 

(29 km, 1090 m bergauf, 980 m bergab)

9. Etappe  Weitnau - Simberberg

Ich hatte kein Frühstück im Hotel, wodurch ich zunächst in die Bäckerei ging. An der Kirche kam mir ein Pilgerpärchen entgegen. Die beiden waren aus Deutschland und Peru und gingen den Münchner Jakobsweg. In Weitnau steht eine Säule mit der Aufschrift „Allgäu“, dieses wunderschöne Wort.... Es ging gleich steil bergan und auch eine Hängebrücke war am Weg. Es waren mehrere Kilometer nach Wilhams.

Münchner Jakobsweg, Weg nach Wilhams
Weg nach Wilhams                                                                                                                              www.wandern.de/privatbild

An der kleinen Kapelle legte ich eine kurze Pause ein. Hinter Wilhams ging es bergab und gleich wieder bergauf nach Aigis. Heute kommen ein paar Höhenmeter zusammen, dachte ich mir. An der kleine Kapelle von Aigis konnte ich nochmals herrliche Bilder machen. Jetzt ging es wieder weiter über Wiesen und durch Wälder nach Geratsried.

Münchner Jakobsweg, Abstieg Wilhems
Abstieg Wilhams                                                                                                                                  www.wandern.de/privatbild

Ruhe und Entschleunigung bringt auch dieser Tag auf dem Camino. An der Holzkapelle  bog ich ab und gelangte im Auf und Ab nach Genhofen. Auch hier steht eine schöne Kirche, die leider verschlossen war.

Münchner Jakobsweg, Kapelle Aigis
Kapelle Aigis                                                                                                                                       www.wandern.de/privatbild

Von Genhofen ging ich nach Hopfen und weiter nach Simmerberg, einen wunderbaren Ort mit der Kirche St. Josef. Kurz vor dem Ort traf ich zwei Pilgerinnen aus Norddeutschland, die auch den Weg zu Fuß bewältigten. Es ging noch ins Hotel. Dieser Tag auf dem Münchner Jakobsweg ist geprägt durch Landschaft mit kleinen Weilern und Dörfern.

Münchner Jakobsweg, WEg nach Simmerberg
Weg nach Simmerberg                                                                                                                        www.wandern.de/privatbild

Trotzdem fand sich eine Gelegenheit zum Einkauf von Lebensmittel aus der Region die ich während des Tages zu mir nahm. Glücklich schlief ich wieder ein. 

(27 km, 770 m bergauf, 800 m bergab) 

10. Etappe  Simmerberg - Lindau

Nach dem Frühstück in Simmerberg zog ich bei Starkregen los. Das gleichnamige Album von Rainhard Fendrich sollte den Tagesbeginn mir versüßen. Bis zur Kapelle ín Rieder regnete es wie aus Kübeln. Ich stellte mich etwas unter. Als es aufhörte, setzte ich den Weg nach Weiler fort. Er führt durch die wunderbare Hausbachklamm. Auf dem Weg fand ich eine nette Versorgungsstation für Pilgernde. Ich nahm mir ein kleines Päckchen Gummibären. Der Weg durch die Klamm ist ein einziger Traum. Der Ort Weiler und mit seiner St.-Blasius-Kirche ebenfalls.

Münchner Jakobsweg, Kleiner Weiler
Weiler                                                                                                                                                    www.wandern.de/privatfoto

Ich hatte schon wieder Hunger bekommen und ging in eine Metzgerei am Ort. Schinken aus der Region hatten sie im Angebot. In Bayern ist eine Brotzeit nach dem Frühstück nicht ungewöhnlich. Weiter führt der Weg nach Bremenried, vorbei an der Kirche St. Wendelin und dann bergauf nach Altenburg.

Münchner Jakobsweg, Weg nach Altenburg
Weg nach Altenburg

An der Kapelle kann man einen Abstecher zur Burgruine machen. Jetzt folgt wieder ein wunderbarer Streckenabschnitt. Die Sonne kam hervor als ich den Frischluft-Altar am Weg sah. Besondere spirituelle Momente sind für Pilgernde immer etwas Außergewöhnliches. Jetzt wurde Scheidegg mit der Blasiuskapelle erreicht. Hier traf ich auf eine Touristin, die hier einen längere Auszeit verbrauchte. Wir unterhielten uns lange über meine vielen Reisen auf den Pilgerwegen durch die Welt. Die Kirche St. Gallus am Ort ist auch für eine längere spirituelle Pause bestens geeignet.

Münchner Jakobsweg, Wegkreuz
Wegkreuz                                                                                                                                             www.wandern.de/privatbild

Nun folgte ich der Wegalternative zu den Wasserfällen und weiter zur Kapelle St. Wendelin. Ich wollte nicht zu viel Zeit bei den Wasserfällen verbringen, da der Weg noch etwas „Strecke“ heute hatte. Es folgte der steile Abstieg nach Niederstaufen. Die Kirche Peter und Paul steht am Ort und wartet auf die Pilger des Münchner Jakobswegs. Der weitere Camino zur Kirche Sankt Gallus in  Sigmarszell ist eine Weg für die Seele.

Münchner Jakobsweg , Blick auf Bodensee
Blick auf Bodensee                                                                                                                              www.wandern.de/privatbild

Wald, Wiesen und Wasser - Pilgerherz was willst du mehr. In der Kirche gab es den vorletzten Pilgerstempel. Noch knappe 10 km nach Lindau folgten nun. Ein Auf und Ab und schließlich bei der Kapelle hoch über dem See der Blick auf See und Alpen. Jetzt ging ich relativ schnell die letzten Meter bis zur Insel mit den Kirchen St. Stephan und dem Münster Unserer Lieben Frau. Ich hatte es geschafft und „meinen“ Münchner Jakobsweg gegangen.

Münchner Jakobsweg, Lindau
Lindau                                                                                                                                                 www.wandern.de/privatbild

Zum letzten mal bezog ich mein Hotelzimmer auf meiner Pilgerreise und nach dem Abendessen sah ich mir noch die Innenstadt und den Hafen an. Am nächsten Tag ging es -  leider wieder nach Hause. 

(33 km, 670 m bergauf, 1.070 bergab)

Pilgern auf dem Münchner Jakobsweg - Mein Fazit:

In Deutschland ist der Münchner Jakobsweg ein Muss für Pilger-Freund*Innen. Die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren Seen, Mooren und Schluchten wird lange im Gedächtnis bleiben. Jeden Tag einen wunderbaren Blick auf die Alpenkette genießen zu dürfen zeichnet den Weg besonders aus. Das Isartal, die Klöster Schäftlarn, Andechs und Wessobrunn, die Wieskirche, der Pfaffenwinkel, das Allgäu und schließlich der Bodensee sind die Zugaben. Jetzt bin ich diesen Münchner Jakobsweg zum zweiten Mal gepilgert und bestimmt zieht es mich irgendwann wieder nach Oberbayern auf diesen einzigartigen Camino in Bayern...

Alexander Bürger

Münchner Jakobsweg

 

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