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Pilgern auf dem Caminho do Tejo

--->>>Unsere Pilgerreise auf dem Caminho do Tejo<<<---

Geschichte des Caminho do Tejo

Schon im Frühmittelalter wurde Portugal von den maurischen Besetzern zurückerobert. Im 12. Jahrhundert wurde es schließlich ein eigenständiges Königreich. Die christliche Prägung der Region sorgte für einen stetig zunehmenden Strom an Pilgern, die über alte Römer- und Handelsstraßen gen Norden nach Santiago zogen. Die Bezeichnung Camino Portugues (auch Caminho Português) etablierte sich so als Überbegriff für alle Jakobswege, die von Portugal aus in Richtung Santiago seit dem Hochmittelalter begangen wurden. Nach und nach setzte sich jedoch der Name Caminho Portugues für die Strecke von Lissabon nach Santiago durch. Auch die kürzere Variante von Porto aus wird umgangssprachlich Caminho Portugues genannt.

Als Caminho do Tejo wird eine Teilstrecke dieses portugiesischen Jakobsweges bezeichnet, der ebenfalls in der Hauptstadt Lissabon startet und im späteren Verlauf über einen alternativen Weg bis zur Wallfahrtsstätte in Fatima führt. Von dort aus können Pilger über Coimbra wieder auf den klassischen portugiesischen Jakobsweg gelangen. Der Name dieses Jakobswegs geht vermutlich auf den Fluss Tejo zurück, der am Startpunkt des Weges in Lissabon in den Atlantik mündet.

 

Länge und Verlauf

Auf den ersten neunzig Kilometern verlaufen der Caminho do Tejo und der Caminho Portugues parallel. In Santarém müssen sich die Pilger schließlich entscheiden, ob sie der östlichen Variante nach Fátima oder dem westlichen Weg weiter folgen. Beide Varianten sind in etwa gleich lang und treffen nach ungefähr hundertdreißig Kilometern in Coimbra wieder zusammen. Von dort aus können die Pilger über Porto ihre Reise bis Santiago und Fisterra weiterführen. Von Fátima aus besteht jedoch auch die Möglichkeit, ins westlich gelegene Tomar zu wandern und dort dem Caminho Portugues weiter nach Norden zu folgen. Diese Variante ist allerdings nicht ausgeschildert und circa dreißig Kilometer lang.

Der erste Teil der Strecke bis Santarém wird in der Regel in drei etwa dreißig Kilometer lange Etappen aufgeteilt. Da der Caminho do Tejo und auch der Caminho Portugues von Lissabon aus bei weitem nicht so bekannt ist wie das Teilstück ab Porto oder die anderen klassischen Jakobswege wie der Camino Frances, gibt es entsprechend weniger Herbergen und Infrastruktur. Nichtsdestotrotz ist der Jakobsweg auch ab Lissabon durchgehend markiert und ausgeschildert. Von Santarém ausgehend führen blaue Pfeile bis ans Ziel in Fátima.

Die Anreise nach Lissabon lässt sich zum Beispiel per Bus, Zug oder Flugzeug planen. Dabei stellt das Flugzeug die oftmals günstigste und vor allem schnellste Anreisemethode dar. Je nachdem aus welcher deutschen Stadt sind Flüge schon ab fünfunddreißig Euro zu bekommen. Etwas teurer und mit mehreren Umstiegen verbunden ist hingegen die Zugfahrt, die jedoch ein langsameres Ankommen und daher auch einen sanfteren Abschied vom Alltag und Einstieg ins Pilgerleben ermöglicht. Der Reisekomfort ist noch etwas höher als bei den sehr langen Busfahrten, bei denen jedoch nicht so viele Umstiege anfallen. Bei beiden letzteren Varianten lässt sich der langsame Wandel der Landschaft gut beobachten und so noch mehr von der zukünftigen Umgebung erkunden.

Die Vor- und Nachteile gelten ebenso für die Rückreise. Von Fátima aus bestehen ebenso Flug-, Zug- und Busverbindungen, wobei die Flüge vergleichsweise teuer sind. Es lohnt sich in jedem Fall ein Vergleich, um eventuell von dort aus in nahe gelegene Großstädte zu fahren und im Anschluss die Heimreise anzutreten. Bei einer Rückreise mit dem Flugzeug empfiehlt es sich, die Dauer der Pilgerreise mit einzukalkulieren. Wer mehrere Wochen oder Monate in freier Natur und Ruhe unterwegs war, könnte durch einen zu schnellen Übergang in den heimischen Alltag ein wenig überfordert sein. Ein langsamerer Übergang hilft bei der innerlichen Verabschiedung vom Weg und den Erfahrungen, die man dort gemacht hat.

Caminho do Tejo
Auf dem Caminho do Tejo - ©sailer/fotolia.com
 

Streckenbeschaffenheit des Caminho do Tejo

Die ersten drei Etappen verlaufen in flachem und ebenem Gelände und sind daher trotz ihrer hohen Kilometerzahl relativ leicht zu bewältigen. Ab Santarém wird das Gelände zunächst hügeliger und geht vor Fátima in bergiges Land über. Entsprechend sollten dort die Etappenlängen angepasst werden, da größere Steigungen stets auch mehr Anstrengung mit sich bringen. Je näher der Caminho do Tejo an Santiago oder auch schon Porto heranrückt, desto häufiger finden sich Unterkünfte. Unterwegs werden zahlreiche größere und kleinere Ortschaften und Städte durchquert, sodass die Versorgung wie auf allen anderen Jakobswegen recht unproblematisch zu bewerkstelligen ist.

Trotz seiner recht südlichen Lage ist der Caminho do Tejo landschaftlich bei weitem nicht so karg und dünn besiedelt wie sein östlicher Bruder, der Mozarabische Jakobsweg oder die Via de la Plata. Die Küstennähe und der Wasserreichtum sorgen für eine fruchtbare grüne Kulisse, die dem Pilger das Wandern umso angenehmer gestalten. Die ersten drei Etappen bis Santarém verlaufen so zum Beispiel stets in Ufernähe des Rio Tejo und sorgen für kühles Klima. Vor allem am Startpunkt in Lissabon sorgt die Atlantikmündung des Tejo für Urlaubsstimmung und lädt zum Verweilen und Entspannen ein. Die fruchtbare Landschaft Portugals zeigt sich unterwegs vor allem an den zahlreichen Weinbergen, Obstbäumen, Olivenhainen und Blumenwiesen.

Die gut ausgebauten Schotter- und Teerwege und Pfade sind nicht gerade von Mitpilgern bevölkert. Das Wandern auf dem Caminho do Tejo gestaltet sich demnach vergleichsweise ruhig, wenn auch aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung viele besiedelte Gebiete durchquert werden und die Strecke nicht ganz so einsam wirkt, wie die südwestlichen Jakobswege. Dennoch sollte bei der Planung berücksichtigt werden, dass eine Pilgerreise ohne viele Mitpilger andere Herausforderungen, vor allem an die Psyche, stellt. Andererseits kann die so gewonnene Ruhe auch viele Nachteile der anderen Wege ausschließen wie zum Beispiel Bettenknappheit in den Herbergen.

 

Landschaftliche und kulturelle Highlights

Schon vor dem Startschuss lässt sich ein landschaftliches Highlight in Lissabon erkunden. Der Fluss Tejo mündet in Lissabon in den Atlantik und die nahe gelegene Küste kann für ein paar Entspannungstage am Strand vor dem Wanderstart genutzt werden. Als Hauptstadt Portugals kann hier auch die Entstehungsgeschichte des Landes und die Zeit der maurischen Besetzung in Museen und Ausstellungen nachverfolgt werden. Gleich zwei weitere Sehenswürdigkeiten Lissabons wurden ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Der Torre de Belém und das Hieronymus-Kloster, das Mosteiro dos Jerónimos, lohnen eine ausgedehnte Besichtigung, sodass einige Tage Aufenthalt vor den ersten Kilometern der Pilgerreise durchaus empfehlenswert sind.

In Vila Franca de Xira kann neben steinzeitlicher Geschichte auch die umstrittene spanische Stierkampftradition kennengelernt werden und auch in Azambuja, dem geschichtsträchtigen Santarém und weiteren Städten entlang des Weges wird nicht an sehenswerten Gebäuden und Ausstellungen gespart.

Mit Fatima als Ziel des Caminho do Tejo müssen Pilger nicht bis Santiago wandern, um einen historischen christlichen Wallfahrtsort zu erreichen. Schon hinter dem malerischen Namen der Stadt verbirgt sich eine märchenhafte Legende. Die schöne junge Fatima soll sich von ihren maurischen Wurzeln gelöst und christlich getauft haben lassen, um ihre Liebe zum Grafen von Ourém zu beweisen, an den sie zuvor verkauft worden war und den sie schließlich heiratete. Die letzte Ruhestätte dieser Frau ist durch die berühmten „drei Geheimnisse von Fátima“ und zahlreiche Überlieferungen von Wundern, religiösen Erscheinungen und Wunderheilungen ein Wallfahrtsort geworden, zu dem nicht nur Pilger und Päpste jedes Jahr anreisen. Die Kathedrale Basilica Antiga ist ein beeindruckendes Bauwerk, das die religiöse Bedeutung dieses Ortes nach außen hin repräsentiert.

Egal ob die Pilgerreise im Anschluss fortgesetzt wird oder nicht – ein mehrtägiger Aufenthalt in dieser sagenumwobenen Stadt lohnt sich in jedem Fall.

Klima

Aufgrund der Küstennähe herrscht in den Regionen, die der Caminho do Tejo durchläuft, ein meist mäßig warmes Klima, das nach Norden hin immer feuchter wird. Wie häufig in Küstennähe und bergigen Gegenden kann das Wetter schnell umschlagen, jedoch halten sich Schlechtwetterfronten dafür selten für lange Zeit. Entsprechend sollte Regenkleidung und Funktionsbekleidung für heiße Perioden im Gepäck sein. Im Idealfall sollten sie so im Rucksack verstaut sein, dass auch ein schneller Kleidungswechsel unproblematisch vonstattengeht.

Infrastruktur

Unterwegs werden viele Ortschaften durchquert, sodass die Verpflegung während der Wanderung unproblematisch ist und auch ausreichend Einkehrmöglichkeiten vorhanden sind. Offizielle Pilgerherbergen gibt es bis Porto so gut wie keine, weshalb die Pilger auf Pensionen, Hotels, Jugendherbergen oder Campingplätze ausweichen müssen. Die Region ist jedoch relativ günstig, was die Zimmerpreise betrifft.

In touristisch erschlossenen Orten wie Fátima empfiehlt sich in der Hochsaison eine Reservierung, um einer langen Suche am Ende des anstrengenden Wandertages vorzubeugen. Auch wenn die Strecke bis Fátima mit Pfeilen durchgehend markiert ist, empfiehlt sich ein Reiseführer oder Kartenmaterial, falls man doch einmal vom Weg abkommt.

Ausrüstungstipps und Vorbereitung

Die Ausrüstung orientiert sich vor allem an der Reisezeit und an der bevorzugten Reiseart der Pilger. Im Frühjahr und Herbst muss häufiger mit Regenschauern gerechnet werden und entsprechend regenfeste Ausrüstung wie Regenjacke, Regenhose, Poncho und Regenhülle für den Rucksack griffbereit sein. Auch wasserdichte Schuhe empfehlen sich für alle Jahreszeiten außer dem Sommer.

In den Sommermonaten sollte der Fokus hingegen mehr auf Sonnenschutz, leichtem Gepäck und atmungsaktiver Bekleidung liegen. Zwar sollte eine Regenausrüstung ebenfalls nicht fehlen, jedoch spielen Kopfbedeckung und leichte Kleidung meistens die größere Rolle.

Je nach gewünschter Art und Weise des Pilgerns können auch Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher und Geschirr in der Ausrüstung enthalten sein. Wer das Wandern ohne Gepäck bevorzugt, kann sein Hab und Gut auch transportieren lassen, dadurch mehr einpacken und nur mit leichtem Tagesrucksack wandern.

Gegen Ende des Caminho do Tejo wird das Gelände zunehmend bergiger, sodass stabile Wanderschuhe, die über den Knöchel reichen, wichtig sind. Vor allem wenn ein schwerer Rucksack auf dem Rücken lastet, ist es umso wichtiger, dass Knöchel und Füße entlastet und gegen Umknicken stabilisiert werden. Ein paar leichte Freizeit- oder Sportschuhe für die flacheren Strecken sowie für den Zeitraum nach Etappenende sind oft eine große Erleichterung.

Wer sicher weiß, dass er stets in Pensionen, Hotels und Jugendherbergen schläft, kann statt einem schweren Schlafsack auch ein Schlafsackinlett aus Seide oder Baumwolle mitnehmen. Dies ist nicht nur leicht und klein zusammenpackbar, sondern bietet auch ein wenig das Gefühl von persönlichem gewohntem Raum um sich herum. Sollte man das Pech haben, in einer hygienisch nicht so einwandfreien Unterkunft zu landen hat man dadurch zudem einen gewissen hygienischen Schutz zwischen sich und den fremden Decken.

Etappenbeispiel für den Caminho do Tejo:

1. Tag. Anreise nach Lissabon
2. Tag. In Ruhe ankommen….
3. Tag.  Von Sacavem bis nach Vila Franca de Xira,  
4. Tag. Tagestrecke von Vila Franca de Xira bis nach Azambuja,   
5. Tag. Pilgern von Azambuja  nach Santarem, 
6. Tag. Tagesetappe Santarem – Alcanena, 
7. Tag. Letzte Pilgeretappe von  Alcanena bis nach Fatima

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