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Den Camino Francés/französischer Jakobsweg pilgern

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Route und Sehenswürdigkeiten

Von den Pyrenäen bis zum Apostelgrab in Santiago de Compostela führt der Camino Francés auf knapp 800 Kilometern. Dabei passiert er so bedeutende Städte wie Burgos und León und durchquert vier Regionen Spaniens: Navarra, La Rioja, Castilla y León und Galizien.

Der Pilger beginnt seine Reise im mittelalterlichen Örtchen Saint-Jean-Pied-de-Port am französischen Fuß der Pyrenäen. Von dort wandert er auf der so genannten Route Napoléon eine im doppelten Sinne atemberaubende Etappe – sowohl, was die wunderschöne Landschaft, als auch, was die anstrengenden Steigungen betrifft - über die Pyrenäen, an deren Fuße ihn die Gastfreundschaft von Roncesvalles erwartet.

Roncesvalles auf dem Camino Frances
Roncesvalles auf dem Camino Francés

Wir befinden uns nun in Spanien und der Camino Francés  durchquert, die Ausläufer der Pyrenäen unter unseren Füßen, die Region Navarra. Ein kulturelles Highlight ist dabei sicher deren Hauptstadt, die ursprünglich römische Stadt Pamplona. Bekannt ist diese neben ihrer Altstadt vor allem für ihre Stierläufe, die jedes Jahr vom 6. bis 14. Juli stattfinden, und zu denen wahre Menschenmassen in die Stadt „pilgern“.

Einige Etappen später erreicht man  die Hauptstadt der berühmten Weinregion La Rioja: Logroño. Hat man einmal deren wenig malerischen Großraum verlassen, wird der Camino Frbances in erster Linie durch Getreidefelder und Weinreben geprägt. Wichtigste Station der Region ist für den Pilger sicher das Städtchen Santo Domingo de la Calzada. Es wurde einstmals von einem Eremiten, dem später heiliggesprochenen Domingo de Viloria (1019-1109), gegründet, der sich ganz der Pflege des Jakobsweges und seiner Pilger verschrieben hatte.

Kurz darauf betritt man die autonome Region Castilla y León, zu deutsch Kastilien, die es auf insgesamt 400 Kilometern zu durchqueren gilt. So groß die Region, so vielfältig ist auch das Erlebnis für den Pilger: Es wird in mitunter quälend langen Abschnitten durch die schattenlose Kargheit und glühende Sonne der Meseta geprägt und bietet gegen Ende, am Übergang zu Galizien, doch auch eine herrlich grüne Berglandschaft, die den zuvor entstandenen Durst nach Grün leicht zu stillen vermag. Zudem wartet Kastilien mit einer großen Anzahl kulturhistorisch wichtiger Stätten auf.

Pamplona, Pilgern auf dem Camino Frances
Pamplona, Pilgern auf dem Camino Francés

Aber der Reihe nach: Etwa 50 Kilometer hinter Santo Domingo de la Calzada durchquert der Pilger auf dem Camino Francés den ebenfalls durch einen Camino-Wohltäter gegründeten und nach diesem benannten Ort San Juan de Ortega, bevor ihn eine weitere Tagesetappe später eine der Perlen des Jakobsweges, die Kathedralstadt Burgos, erwartet. Eine Besichtigung der gotischen Catedral de Santa Maria sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, doch die Stadt hat noch viele weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten, sodass man sich für die Besichtigung mindestens einen vollen Tag Zeit nehmen sollte.

Es folgen gut 200 lange, flache Kilometer Camino Francés, durch beinahe wüstenartig anmutendes Gelände, unterbrochen durch die Schönheit der Sehenswürdigkeiten von Castrojeriz, Frómista und weiteren kleineren Orten, bis man León betritt, das ebenso reich an historischen Schätzen ist wie das bereits besichtigte Burgos. Auch hierfür sollte man sich daher Zeit nehmen und neben den Sehenswürdigkeiten, allen voran auch hier die Kathedrale, auch die lebendige Atmosphäre der Stadt genießen.

Schon zwei Tagesetappen später wartet das wesentlich kleinere, doch ebenfalls sehenswerte, ursprünglich römische Astorga mit der Catedral de Santa Maria aus dem 15./16. Jahrhundert und dem Bischofspalast nach Plänen von Antonio Gaudí. Nach einigen hundert Kilometern flachem Terrain, müssen wir uns nun wieder an hügeliges, aber auch heilsam grünes Gelände gewöhnen. Es geht hinauf nach Foncebadón und dann weiter, vorbei am berühmten Cruz de Ferro, wo die Pilger traditionell mitgebrachte Steine niederlegen, nach Molinaseca, einem kleinen Städtchen mit kühlem Fluss, der den ermatteten Pilger zum Baden einlädt. Im bald folgenden Ponferrada steht dann wieder der Kulturgenuss auf dem Camino Francés im Vordergrund. Highlight hier ist eine beeindruckende Festung der Tempelritter aus dem 13. Jahrhundert.

Lediglich 25 Kilometer bleibt der Weg weitgehend flach, bevor auch schon der kräftezehrende Aufstieg zum O Cebreiro beginnt, dessen Gipfel (1306 m) sich bereits in Galizien befindet, an dessen wundervoller Landschaft sich der Pilger auf den letzten gut 100 Kilometern erfreuen kann: Satte Weiden und pittoreske Dörfchen, saftige Eukalyptuswälchen und der wohltuende Schatten alter Eichen lösen einander nun ab. Ab Triacastela, das einstmals angeblich drei Festungen beherbergte, bietet sich die Möglichkeit, eine Variante über das bereits im 5. oder 6. Jahrhundert gegründete Kloster Samos einzuschlagen.

Auf den restlichen Kilometern des Camino Frances bleibt der Weg leicht hügelig, hält jedoch keine größeren Anstiege mehr bereit. Beim letzten dieser Hügel handelt es sich um den Monte de Gozo – von hier erblickt der Pilger zum allerersten Mal die Kathedrale von Santiago de Compostela, die er eine knappe Stunde später, zumeist mit gemischten Gefühlen, zerrissen von der Wehmut um das Ende des Weges, und doch voll unbändiger Freude über die Ankunft, glücklich erreicht. 

Pilger auf dem Camino Frances
Pilger auf dem Camino Francés

 

Geschichte des Camino Francés

Nachdem der nördlicher gelegene Camino del Norte bis zum Hochmittelalter die Hauptpilgerachse nach Santiago gebildet hatte, wurde im 11. Jahrhundert der Camino Francés geschaffen und etablierte sich bald schon zur bevorzugten Route. Voraussetzung hierfür waren weitere (Rück-)Eroberungen von den Arabern, die lange Zeit einen großen Teil der iberischen Halbinsel besetzt hielten.

Praktische Tipps

Vorbereitung für den Camino Francés

Idealerweise sollte man sich die notwendige Ausrüstung, insbesondere hochwertige Schuhe und einen gut sitzenden Rucksack, frühzeitig zulegen und im Vorfeld bereits einige Probewanderungen durchführen, um den Körper an die Belastung des Wanderns zu gewöhnen und die Schuhe gut einzulaufen. Falls Sie dabei feststellen, dass Ihnen das Gehen mit dem Rucksack auf Dauer zu beschwerlich wird, denken Sie doch einmal über die Möglichkeit des Wanderns ohne Gepäck nach! Viele Reiseveranstalter bieten hierfür den Service eines bequemen Rucksacktransports.

Zudem empfiehlt es sich, frühzeitig nach einem geeigneten Wanderpartner zu suchen, der Ihnen hinsichtlich Ihrer Erwartungen an das Pilgererlebnis, aber auch was körperliche Fitness und sportliche Ambitionen angeht, möglichst gut entspricht. Insbesondere auf dem viel begangenen Camino Francés kann man aber auch problemlos alleine reisen, ohne sich jemals einsam zu fühlen. Sollten Sie für sich hingegen das Wandern ohne Gepäck in Betracht ziehen, dann ist eine organisierte Gruppenreise die beste Wahl.

Reisezeit und Klima für eine  Pilgerreise auf dem Camino Francés

Ideal zum Wandern sind aufgrund des milderen Klimas insbesondere die Monate März bis Juni sowie September bis Oktober. Wer der größten Hitze und der besonders in der schattenlosen Meseta glühenden Sonne entgehen will, sollte die Hochsommermonate Juli und August wenn möglich meiden. In dieser Zeit ist der Camino Francés aufgrund von Schul- und Semesterferien zudem besonders überfüllt.
Insbesondere in den Sommermonaten herrscht in Spanien ein warmes und trockenes Klima, wobei in Galizien zu allen Jahreszeiten mit Regen zu rechnen ist.

An- und Abreise für eine Pilgerwanderung auf dem Camino Francés

Die Anreise erfolgt von Frankreich mit dem Zug, in der Regel über Paris und Bayonne nach Saint-Jean-Pied-de-Port. 

Flugan –bzw. Abreise ist auch möglich – wir empfehlen hier jedoch aus Gründen des
Umweltschutztes die Anreise mit der Bahn

Erlebnisbericht: Camino Francés

Wieso will man freiwillig wochenlang und nur mit einem Rucksack bepackt durch Spanien laufen? Es ist schwierig einem „Nicht-Pilger“ den Zauber dieses Weges zu vermitteln, der jedes Jahr so viele Menschen anzieht. Für mich waren und sind es drei Gründe:

Man ist absolut frei vom Alltagsstress. Nur Laufen, Essen und Schlafen zählt. Diese Reduzierung auf das Wesentliche lässt Körper, Geist und Seele zur Ruhe kommen.

Es gibt kaum einen besseren Weg, um durch diese Ruhe zu sich selbst zu finden, da man seine Grenzen und Bedürfnisse wieder kennen- und beachten lernt.

Man erhält unzählige wundervolle Eindrücke von Landschaften und Menschen aus aller Welt und nicht selten entwickeln sich dauerhafte Freundschaften.

Ich fand zum Jakobsweg (oder eher: der Weg fand mich), indem ich einen historischen Roman las, in welchem die Hauptfigur sich auf dem Jakobsweg bewähren musste. Ich wusste nicht warum, aber von da an begann die Idee des Jakobsweges in mir zu arbeiten. Schon ein paar Wochen später waren die Tickets gebucht, der Urlaub eingereicht, die Ausrüstung komplett und ich unglaublich nervös. Kann ich das wirklich?

In der ersten Woche zeigte sich der Weg schon in seiner ganzen Vielfalt. Die grasbewachsenen Berge der Pyrenäen, die beeindruckenden Wildvögel und Wildpferde, die umwerfenden Aussichten und die absolute Ruhe zaubern auch in der größten Anstrengung noch ein Lächeln auf mein Gesicht. Die 1200 Höhenmeter, die es direkt in den ersten beiden Tagen zu bewältigen gilt, bringen mich als Wanderneuling mehrmals an meine Grenzen und darüber hinaus. Aber selbst für unsportliche, übergewichtige Menschen wie mich war es machbar! Das Geheimnis ist, es langsam angehen zu lassen und nicht aus falschem Ehrgeiz auf Pausen zu verzichten. Und das Gefühl, „oben“ zu sein und es selbst geschafft zu haben ist eine unbezahlbare Belohnung für die Mühen.

Auch die weiteren Etappen waren für mich zwar herausfordernd, aber jeden einzelnen Schritt wert. Die Landschaft änderte sich von Woche zu Woche, manchmal sogar von Tag zu Tag. Die rostroten Felsen, Flüsse, Weinberge und Storchennester in der Rioja-Region verstärkten das Gefühl, in einer völlig anderen Welt zu sein. Der Körper gewöhnte sich an die Bewegung, der Kopf wurde langsam frei und ich genoss mehr und mehr das Gefühl, jeden Tag in der Natur zu sein. Die unendlich weite Hochebene der Meseta spiegelte ein Gefühl von Weite und Offenheit in mir selbst. Als würden Körper und Seele sich den äußeren Umständen anpassen. Der Stress des Alltags, die Unzufriedenheit – all das schien in weite Ferne gerückt zu sein.

Die ersten Pilgerfreundschaften hatten sich inzwischen gefestigt und ich lernte, dass ein gutes Gespräch der beste Motor sein konnte. Abends fühlte ich mich rechtschaffen müde und ich wurde dankbar für die kleinen Dinge im Leben wie eine Tasse Kaffee, das wohlverdiente Bier in der Abendsonne mit Freunden aus aller Welt oder auch nur die heiß ersehnte Dusche. Das Leben kann wirklich so einfach sein!

Die grüne und fruchtbare Region Galizien mit ihren mystischen keltischen Wurzeln verlieh den letzten Etappen vor Santiago noch eine ganz besondere Atmosphäre. Auch wenn ich wenig spirituell oder religiös veranlagt war, spürte ich doch, dass der Weg mich verändert hatte. Ich war ruhiger, gelassener und zufriedener mit mir und der Welt geworden. Die letzten Schritte durch die Altstadt in Santiago begleitet von keltischer Musik der Straßenkünstler wirkten wie die letzten Minuten eines großartigen Films. Kein Tourist wird wohl jemals wirklich das Lächeln auf dem Gesicht der Pilger verstehen, die das erste Mal vor der Kathedrale stehen.
Dass allein das tägliche Wandern in der Natur und die Zugehörigkeit zu einer Art Pilgerfamilie derart viel in einem bewirken kann, ist für mich das große Wunder an diesem Pilgerweg.

Ruth R.

Santiago de Compostela, Camino Frances
Santiago de Compostela, Camino Francés

 

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