logo wandern.de
Aktuelle Information Coronavirus (COVID-19) / Sicherheitsleitfaden Lesen →

Wandern mit Kindern - die passende Wanderausrüstung

Der Rucksack

Der Rucksack ist das Basis-Ausrüstungsteil für jeden Wanderer. Er sollte – gegebenenfalls mittels eines Überzuges – wasserdicht sein, strapazierfähig und geräumig. Eine durchdachte Unterteilung im Innenbereich und sinnvoll dimensionierte Außentaschen helfen das Gepäck sortiert zu verstauen. So kommt man stets leicht an das heran, was aktuell benötigt wird, ohne dass nervenzerrend gewühlt werden muss.

Wichtig ist, dass der Rucksack dem jeweiligen Träger perfekt passt. Dazu lassen sich bei hochwertigen Modellen allerhand Anpassungen an Rückenlänge, Schulterbreite und Hüftabstand vornehmen. Denn die Last sollte nicht auf den Schultern liegen, sondern auf die Hüfte verteilt werden. So wird auch auf langen Strecken der Rücken geschont. Gute Rucksäcke zeichnen sich darum durch einen breiten, starken Hüftgurt sowie einen Brustgurt aus. Zudem ist ein Belüftungssystem für den Rücken hilfreich, um hier unangenehmes Schwitzen zu vermeiden.

Kinder-Rucksäcke verfügen leider nur selten über stützende Hüftgurte. Ein Brustgurt aber sollte auf jeden Fall sein. Denn bei der vielen Bewegung der Kurzen nervt ein wackelnder Rucksack nicht nur, er kann auch das Gleichgewicht gefährlich durcheinander bringen. Weil mangels Hüftgurt das Gewicht voll auf den Schultern liegt, müssen die Schultergurte (oben) möglichst breit und gut gepolstert sein. Auch eine Rückenpolsterung ist empfehlenswert, damit beim Herumtollen der Inhalt des Rucksackes nicht unangenehm in den Rücken drückt.

Beim Wandern mit Kindern gilt: Das reguläre Gepäck tragen die Erwachsenen! Der Kinderrucksack bleibt den kindlichen „Schätzen“ vorbehalten: Ist ein Kuscheltier unentbehrlich, so darf es auf dem Rücken des Kindes mitreisen. Ansonsten haben hier kleine Döschen und Schachteln für die unterwegs aufgelesenen Fundstücke ihren Platz sowie die Lupe oder das Fernglas des kleinen Forschers. Damit wird sich der Beutel erfahrungsgemäß bereits von allein füllen. Damit es hierbei keine Probleme gibt oder das Gewicht des Gepäcks die Geschicklichkeit oder die Ausdauer der jungen Wanderer belastet, sollte alles andere – von den Snacks über die Getränke bis zur Wechselkleidung in den großen Rucksäcken der Erwachsenen unterkommen. Nur große Kinder, die auch schon größere Rucksäcke (mit professionellem Tragesystem) tragen, können dann ihren Teil der Wanderverpflegung oder Teile der Zusatzkleidung selbst tragen. Eine gute Idee ist es, am Schulter- oder Brustgurt des Kinderrucksackes eine kleine Signalpfeife anzubringen. Das verleiht den kleinen Abenteurern ein größeres Gefühl der Sicherheit, nicht „verloren gehen“ zu können.

Kinderwagen

Auch wenn die Kleinsten noch nicht mitlaufen können – dank der mittlerweile am Markt erhältlichen geländegängigen Kinderwagen können sie dennoch dabei sein. Bei der Auswahl des Kinderwagens muss vor allem auf Stabilität, aber auch leichtes Gewicht geachtet werden. Dreirädrige Wagen lassen sich wegen des geringeren Rollwiderstandes leichter schieben, auf schrägem Terrain kippen sie jedoch auch leichter.

Das Gewicht des Kinderwagens macht sich bei Steigungen und auf nicht asphaltierten Wegen auf die Dauer deutlich bemerkbar. Allerdings beanspruchen solche Strecken auch die Statik des Gefährts stark, weshalb es wirklich wichtig ist, auf gute Stabilität zu achten: Nicht auszudenken, was passiert, wenn der Wagen unterwegs wegen zu schwach ausgelegter Verbindungsglieder oder einem Bruch im Falt-Mechanismus mitsamt Kind „zusammenklappt“.

Darüber hinaus sind zuverlässige Bremsen mit Handbedienung wichtig: Bei Gefälle kann ein beladener Buggy ganz schön ziehen, wenn es dann keine Handbremse gibt, wird das Festhalten des Wagens über die Maßen anstrengend und es können dann auch gefährliche Momente entstehen.

Luftreifen sorgen für eine angenehmere Reise der Kleinsten, denn sie federn die Stöße durch den unebenen Untergrund besser ab. Allerdings können sie auch kaputt gehen – und erfahrungsgemäß passiert dies im Outdooreinsatz auch öfter einmal. Die Alternative Vollgummireifen mag darum elternfreundlicher sein, für das Kind bedeuten sie allerdings, bei schlechtem Untergrund deutlich mehr durchgerüttelt zu werden.

Ist man länger unterwegs, müssen auch die Kleinsten die Möglichkeit zur Bewegung bekommen. Sitzen sie zu lange angeschnallt, macht die Wanderung auch ihnen keinen Spaß. Auch die Kleinsten fordern darum ausreichende Pausen an ungefährlichen Stellen und möchten dann – von einer Krabbeldecke aus – die Natur um sich herum entdecken.

Rückentrage

Egal wie „outdoorgeeignet“ ein Kinderwagen auch sein mag, schon auf Schotterwegen macht das Wandern mit Wagen längerfristig wenig Spaß. Bei Babys, die schon längere Zeit aufrecht sitzen können, bieten hier Kraxen eine Alternative. In den speziellen Rückentragen sitzen die Kinder gestützt in einem Segeltuch-Sitz und können die Wanderung auf Sichthöhe der Eltern genießen.

Allerdings: Während sich viele Kinder auch längere Zeit lang in einem Tragerucksack pudelwohl fühlen, können sich andere nur schwer mit dieser Reisemethode darum vor der geplanten längeren Wanderung bei kurzen Spaziergängen aus, ob der Nachwuchs die nötige Sitzruhe hat oder man trainiert sie gemeinsam über ständig länger werdende Übungstouren an.

Bei der Auswahl einer Kraxe müssen alle zukünftigen Nutzer - also sowohl der oder die Träger, als auch der kleine Passagier – zugegen sein. Denn die Rückentrage muss wie ein guter Rucksack perfekt auf den Rücken der Trägers anpassbar sein. Gleichzeitig muss sie auch dem wervollen "Gepäck" perfekt passen, denn kleine Kinder brauchen die Sicherheit eines festen Halts, aber auch Bewegungsfreiheit. Am besten ist es darum, hier wirklich auf eine Fachberatung zu setzen und die Tragen nicht nur anzuprobieren, sondern damit auch wirklich herumzulaufen, auch einmal Treppen zu steigen etc.

Auch das Aufsetzen und Absetzen sollte getestet werden, nicht immer ist es einfach, die empfindliche Last allein sicher auf dem Boden abzusetzen oder vom Boden auf den Rücken zu bekommen. Die Kleinen sollten darum auch stets angeschnallt transportiert werden. Und auch wenn fast alle Kinderkraxen über Standbügel verfügen: Niemals darf ein Kind in einer Rückentrage abgestellt werden, ohne dass diese festgehalten wird, denn es besteht keine Kippsicherheit!

Sonnenschutz

Ein guter Sonnenschutz ist bei Wanderungen wirklich essenziell. Dabei geht es vor allem um den Schutz vor Sonnenbrand. Bei Wanderungen unter strahlender Sonne drohen zudem auch Überhitzung oder Sonnenstich. Unerlässlich ist darum eine Kopfbedeckung, möglichst mit einer Krempe, die die empfindlichen Gesichtspartien schützt. Allerdings wehren sich Kinder auch oft gegen Mützen, die ihre Sicht oder die Bewegungsfreiheit des Kopfes zu sehr einengen. Dann ist es sinnvoller, einen Kompromiss einzugehen, als die gesamte Wanderung über einen Kampf darum zu führen, dass der Sonnenhut auch wirklich getragen wird.

Kinderhaut ist deutlich dünner als Erwachsenenhaut. Auftreffende Sonnenstrahlung dringt dadurch viel tiefer ein und kann somit gravierender schädigen – auch auf lange Sicht. Kinder müssen darum besonders gut gegen den viel schneller eintretenden Sonnenbrand geschützt werden. Weil das Eincremen oft sehr unbeliebt ist und zudem regelmäßiges Nachcremen erfordert, ist bei Kindern ein Sonnenschutz durch Kleidung die bessere Wahl. Darum sollte darauf geachtet werden, dass die Arme auf der ganzen Länge bedeckt sind und auch der Ausschnitt halsnah gestaltet ist. Viele Stoffe werden von den Sonnenstrahlen teilweise durchdrungen. Um bei warmem Wetter nicht besonders dicht gewebte - und damit sehr warme – Kleidung tragen zu müssen, kann auf spezielle Sonnenschutzkleidung ausgewichen werden. Solche gibt es mittlerweile in unterschiedlichsten Ausführungen auch für Kinder. Neben den angenehm kühlen Funktionsstoffen haben diese den Vorteil, dass die speziellen Schnitte meist Arme und Hals einschließen.

Doch auch ein optimaler Sonnenschutz durch Kleidung erspart nicht völlig den Einsatz von Sonnencreme & Co. Der empfindliche Nacken und die Gesichtspartien müssen gut eingecremt werden – und zwar mit maximalem Schutzfaktor. Je nach Wetter und Region muss zudem regelmäßig nachgecremt werden – da hilft aller Protest nicht! Dies gilt übrigens auch bei den Kleinsten: Ein Sonnenschirm oder ein Sonnensegel kann selbst bei dichtestem Gewebe keinen 100%igen Schutz bieten: Zum einen blinkt die Sonne bei Drehungen des Wagens immer mal wieder unter den Schirm, zum anderen erreicht die von der Umgebung reflektierte Strahlung das Baby.

Bei starker Sonneneinstrahlung sollten auch die Augen nicht vergessen werden. Spezielle Kindersonnenbrillen gibt es mittlerweile fast überall zu kaufen. Wichtig ist, dass die Gläser einen guten UV-Schutz bieten. Billigware sollte man darum im Zweifelsfall lieber nicht wählen. Denn hinter getönten Gläsern öffnen sich die Pupillen stärker als ohne Brille – ist dann kein echter Schutz gegeben, kann dies fatale Folgen haben! Aus dem gleichen Grund muss die Sonnenbrille gut sitzen und auch an den Seiten gut passen. Zu lockere Modelle rutschen durch die vielen Bewegungen der Kinder leicht herunter oder lassen seitlich zu viel Strahlung eindringen.

Schutz gegen unerwünschte Begleiter

Sie sitzen im halbhohen Gras und lauern auf jemanden, der sie „mitnimmt“: Zecken sind Begleiter, die wirklich niemand gern hat. Allerdings fällt es gerade Kindern schwer, die Begegnung mit den kleinen Spinnentieren zuverlässig zu vermeiden. Während Erwachsene meist auf den Wegen bleiben und daher oft verschont werden (Zecken fallen NICHT von Bäumen!), streifen die Kleinen öfter durch die Botanik – und dabei eben auch mal den einen oder anderen der keinen Blutsauger vom Blattwerk ab, auf das die hungrigen Plagegeister klettern, um dort mit ausgestreckten Beinen auf vorbeikommende Warmblüter zu lauern.

An sich sind Zecken glücklicherweise lästig, jedoch harmlos. Allerdings können sie Krankheiten wie die Frühsommer-Meningitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Und die Gebiete, in denen die Zecken entsprechende Erreger in sich tragen, haben sich in den letzten Jahren ausgebreitet: Waren vor 10 Jahren nur einzelne Gebiete in Deutschland als Gefahrengebiet für die zeckenübertragene Hirnhautentzündung (FSME) ausgewiesen, so zeigt die entsprechende Landkarte heute auf fast der gesamten Südhälfte Deutschlands „rot“ (Verbreitungskarte FSME: www.zecken.de/?id=478). Es gibt jedoch einen einfachen Schutz gegen die Gefahr, sich mit FSME zu infizieren, nämlich die Impfung. Diese ist besonders für Erwachsene sinnvoll, die regelmäßig in Gefährdungsgebieten unterwegs sind. Es gibt zudem auch seit Jahren bereits entsprechende Vakzine mit guter Verträglichkeit für Kinder ab dem Kleinkindalter.

Apropos Impfschutz: Ein Schutz, den Kinder oft ihren Eltern voraus haben, ist der Schutz vor Tetanus. Denn bei den Älteren liegt die letzte Tetanusimpfung oft schon lange zurück. Tetanuserreger aber kommen in praktisch jeder Erde und überall in der Natur vor – und bereits kleinste Hautverletzungen reichen aus, um sich anzustecken. Darum ist bei Outdooraktivitäten ein aktueller Tetanusschutz ein absolutes Muss.

Keinen Impfschutz gibt es in Europa dagegen gegen die Borreliose, eine Krankheit, die unentdeckt durchaus heimtückisch werden kann. Die Erreger der Borreliose sind weltweit flächendeckend verbreitet, sie werden ausschließlich von Zecken übertragen. Allerdings trägt nur etwas weniger als jede 4. Zecke die Erreger in sich und auch nicht alle Borrelien machen krank. Der beste Schutz gegen die Borreliose besteht darin, Zecken so rasch wie möglich zu entfernen, denn die Übertragung erfolgt erst einige Zeit nach dem Stich.

Der beste Schutz vor Zeckenstichen ist gut bedeckende Kleidung. Im Gelände sollten lange Hosenbeine möglichst in die Stiefel gesteckt getragen werden. Auch langärmelige Oberteile und Mütze oder Kappe schützen – allerdings nur im gewissem Rahmen, ebenso wie manche RepellentLotionen (Test Zecken-Repellents: www.test.de/Mittel-gegen-Zecken-12-von-20-mangelhaft-1672174-0). Wegen des erhöhten Risikos von Kindern, von Zecken gestochen zu werden, sollte jeder Wanderung eine Zeckenkontrolle folgen. Dafür muss man den Körper nicht nur komplett, sondern auch sehr genau absuchen, um die anfangs noch winzigen Biester zu finden. Oft sind sie beim Biss nicht größer als ein Sesam- oder Leinsamenkorn. Besonders genau sollten dabei die „Lieblingsstellen“ der Biesterchen untersucht werden, die bei Kindern neben den Kniekehlen, Bauch, Leisten und unter den Armen gern auch hinter den Ohren oder im Nacken am Haaransatz liegen.

Finden sich tatsächlich welche der Blutsauger, so sollten diese mit einer speziellen Zeckenpinzette oder Zeckenkarte vorsichtig entfernt werden: Das Tier ganz unten am Kopf packen, ohne es zu verletzen und es ohne Drehung in einem Rutsch langsam aus er Haut ziehen. Die Bissstellen werden danach desinfiziert und sicherheitshalber über einen längeren Zeitraum beobachtet, ob sich verräterische Rötungen zeigen.

Notfall-Ausrüstung

Die Outdoor-Industrie hält eine große Auswahl spezialisierter Notfallsets für Wanderer bereit. Für den Normalwanderer geht es aber auch eine Nummer kleiner (und vor allem günstiger). Die Reiseapotheke sollte so ausgestattet sein, dass die häufigsten Blessuren – allem voran sind dies Stürze – behandelt werden können. Pflaster in mehreren Größen, gegebenenfalls auch Blasenpflaster sollten also enthalten sein sowie auch ein Verband bzw. ein Verbandstuch. Weiterhin gehören ein Desinfektionsspray für Schürfwunden und Zeckenbisse zur Grundausstattung sowie neben der Zeckenkarte auch eine „normale“ Pinzette, mit der Splitter gezogen werden können und eine Schere zum Zuschneiden von Pflastern bzw. Verband.

Hinzu kommen die individuell gewohnten oder benötigten Medikamente, wie Bepanthenol-Salbe und Mückenstich-Gel. Bei Kindern setzen viele Eltern gegen Stöße oder Beulen auf Arnika-Globuli. Sie sollen auch bei Erschöpfungszuständen helfen. Auch wenn es keinerlei Belege für eine pharmakologische Wirkung der homöopathischen Kügelchen gibt: Erfahrungsgemäß lenkt die Konzentration auf das Lutschen der Zuckerperlen ganz gut vom Schrecken des Sturzes ab, und das Heilversprechen aktiviert mitunter Restkräfte.

Weil selbst im besten Mobilfunknetz Lücken bestehen, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass das Handy jederzeit und überall funktioniert. Signalgeräte und eine Wärmefolie wiegen fast nichts und können im Notfall lebensrettend sein.

Erste Hilfe

Wer mit Kindern abseits in der Natur unterwegs ist, sollte unbedingt über Grundkenntnisse der Ersten Hilfe verfügen. Dies ist schon aus Präventionsgründen wichtig: Wer die Symptome von Überhitzung, von Austrocknung oder (als Folge) gar Schock kennt, kann vorbeugen und rechtzeitig verhindern, dass es überhaupt zu solchen – tatsächlich lebensbedrohlichen! – Zuständen kommt. Allerdings reagiert der kindliche Körper anders, weshalb auch die Vorzeichen und Symptome abweichen können.

Weil sich auch die Erste-Hilfe-Maßnahmen an Kindern teilweise von denen unterscheiden, die man für Erwachsene gelernt hat, kann es nicht schaden, einmal einen der in fast allen Städten angebotenen Erste-Hilfe-Kurse für Kinder zu besuchen.

Übrigens: Ein bei Kindern verbreitetes Vorzeichen für Flüssigkeitsmangel ist schlechte Laune. Es mag für manche seltsam klingen, aber wenn ein Kind plötzlich unmotiviert missmutig erscheint, reizbar wird und negativ denkt („kann ich doch nicht, bekomme ich ja doch nicht hin, klappt eh nicht“), kann dies ein Zeichen dafür sein, dass dringend etwas getrunken werden sollte. Selbst wenn das Kind dann ablehnt: Bringen sie es dazu, ein wenig zu trinken – oft bessert sich die Laune schlagartig!

Kleidung

Das Zwiebelschalenprinzip

Beim Wandern gilt – wie für alle Outdooraktivitäten – dass die Kleidung aus verschiedenen Lagen bestehen sollte. Dieses „Zwiebelschalenprinzip“ erlaubt es, sich durch An- oder Ausziehen jeweils einer oder mehrerer Kleidungsschichten an unterschiedliches Wetter oder wechselnden Wärmebedarf anzupassen. Denn nicht nur das Wetter bzw. die Temperaturen sind veränderlich. Auch das Terrain hat großen Einfluss auf die Anforderungen an die Kleidung: Während man in einer Heidelandschaft Sonne oder Wind stärker ausgesetzt ist, empfängt einen der Wald vielleicht mit ungeplanter Kühle oder tropfende Bäume „verlängern“ einen ansonsten nur kurzen Schauer zu einer längeren Regenwanderung.

Das oberste Ziel der Lagen-Bekleidung ist es, ein Auskühlen zu verhindern und trocken zu halten. Jeder weiß, wie sehr bereits kleines Frösteln auf die Laune und das Wohlbefinden schlägt, wenn es längere Zeit andauert. Bei unzureichender Kleidung droht Kindern das Auskühlen noch viel schneller als Erwachsenen: Ihre kleineren Körper verlieren durch die ungünstigere Relation von Oberfläche zu Volumen sehr viel stärker an Körperwärme, als es bei größeren Menschen der Fall ist. Gleichzeitig bewegen sich Kinder meist deutlich mehr, was ebenfalls zur Wärmeabgabe beiträgt.

Entsprechend ist es ein Warnhinweis, wenn die Bewegungsfreude der mitwandernden Kinder plötzlich nachlässt: Dann sollte überprüft werden, ob eventuell eine zusätzliche „Zwiebelschicht“ angezogen (oder eine abgelegt) werden sollte.

Im Groben bestehen die drei typischen Kleidungsschichten aus einer unteren Lage, der Unterwäsche. Darauf kommen ein bis zwei Lagen als zweite Schicht und schließlich die äußerste Schicht, die aus der Jacke (und ggf. Regenhose etc.) besteht.

Das Standardmaterial für Unterwäsche ist Baumwolle. Wer als Wanderer mehr vor hat, greift allerdings lieber zu Funktions-Unterwäsche aus moderner Kunstfaser oder zu den Naturmaterialien Seide oder Wolle. Denn die unterste Kleidungsschicht hat die Aufgabe, die bei Anstrengung entstehende Feuchtigkeit nach außen abzuleiten – Baumwolle erfüllt diese Aufgabe jedoch nicht sonderlich gut, weil sie eine hohe Speicherkraft für Wasser besitzt. Die Folge ist, dass aufgenommene Feuchtigkeit gespeichert wird und die Wäsche sich nass und klebrig anfühlt.

Spezialisierte Funktionskleidung ist allerdings teuer und die Anschaffung lohnt gerade bei Kindern mit ihren oft schnellen Wachstumsschüben nur, wenn wirklich viel gewandert wird. Viele Kinder schwitzen (bei angemessener Kleidung) glücklicherweise vergleichsweise wenig und für den Notfall kann zudem gut ein Ersatzhemd eingepackt werden.

In der zweiten Lage kommt ein dem Wetter entsprechender Pulli zum Einsatz sowie – bei erhöhtem Wärmebedarf – eine Strickjacke bzw. für Kinder besser ein Pullunder oder eine Weste. Denn bei Westen entfällt das bei Kids oft so verhasste „über den Kopf ziehen“, und gegenüber Strickjacken haben sie den Vorteil, in den Ärmeln nicht aufzutragen. Dies kommt der kindlichen Bewegungsfreude entgegen.

 

Die richtigen Wanderschuhe für Kinder

Was für die Großen selbstverständlich ist, sollte es auch für die mitwandernden Kinder sein: Gutes Schuhwerk ist kein Luxus, sondern die Grundvoraussetzung für ein positives Wandererlebnis. Folgende Eigenschaften machen einen guten Kinder-Wanderschuh aus:

Er passt!

Wandern mit Kindern

©S.Kobold/fotolia.com

 

Was banal klingt, ist gar nicht so einfach herauszufinden. Denn Kinder neigen dazu, jeden Schuh, den sie (optisch) toll finden finden, auch als gut passend zu empfinden. Darum ist bei der Auswahl eines guten Wanderschuhs besonders bei Kindern der Gang zum Fachgeschäft anzuraten: Eine Beratung durch eine erfahrene Fachkraft ist Gold wert: Sie kann erkennen, ob genug Platz im Schuh ist (es sollte ca. 1 cm sein), den der Fuß benötigt, um sich auch noch nach einigen Kilometern des Gehens im Schuh wohl zu fühlen. Es sollte aber auch nicht zu viel Luft im Schuh sein, denn dann hat der Fuß zu wenig Halt und dies kann zu Scheuerstellen und Blasen führen. Anprobiert werden sollten die Schuhe darum auch mit den Socken, in denen später gewandert wird.

 

Wasserdicht oder atmungsaktiv?

Natürlich, wünschenswert wäre beides. Allerdings: Je dichter ein Schuh ist, desto weniger atmungsaktiv ist er. Wer nur bei trockenem Wetter unterwegs sein möchte und sicher ist, dass die Kinder auch nicht mit den Schuhen durch Bäche waten, der wählt Lederschuhe. Mit einer vernünftigen Wachs-Imprägnierung sind diese auch relativ dicht – jedenfalls wenn mit ihnen beim Spielen am Bach oder See nicht gerade direkt ins Wasser getreten wird.

Familien, die auch in den feuchteren Jahreszeiten auf Tour gehen, oder deren Kinder besonders wasserverrückt sind, wählen lieber moderne Membran-Schuhe. Die sind leicht und weitgehend wasserfest, man muss aber beachten, dass sie nicht jedes Imprägnierungsspray vertragen.

Die Auswahl der Schuhe hat auch Auswirkungen auf die Sockenfrage. Selbstverständlich werden für das Wandern nur perfekt passende und zuverlässig sitzende Strümpfe ausgewählt. Auch zu dünn sollten sie nicht sein, selbst – oder sogar gerade – an heißen Sommertagen. Denn dünne Socken werfen schnell Falten und geben dem Fuß einen schlechten Halt im Schuh. Zudem können sie (zu) wenig Schweiß aufnehmen.

Während bei Lederschuhen jedes Strumpfmaterial verwendet werden kann, verbietet sich bei Membranschuhen nach Aussage des Ausstattungs-Profis Globetrotter.de der Einsatz von Baumwolle: "Socken aus Wolle oder Mischgewebe sind für diese Kinderwanderschuhe die richtige Wahl. Baumwolle wirkt der Membran-Technologie entgegen, da sie die am Fuß entstehende Feuchtigkeit im Material aufnimmt und speichert. So entstehen feuchte, schwitzige Füße, die zudem noch schneller auskühlen."(Globetrotter-Ratgeber Kinder-Wanderschuhe: www.globetrotter.de/alles-fuer-kinder/schuhe).

 

Schutz und Grip

Während man bei Alltagsschuhen für Kinder meist auf besonders flexible Sohlen achtet, kommen Wanderschuhe i.d.R. mit dicken und eher festen Sohlen daher. Das ist auch gut so, denn unterwegs möchte man nicht jeden Stock und Stein spüren – das macht kein Fuß auf die Dauer klaglos mit, schon gar nicht ein weicher Kinderfuß. Je nachdem, wie „wild“ der Untergrund der geplanten Wanderrouten ist, sollte daher auf Sohlen mit gutem Profil geachtet werden. Allerdings: So steif, dass kein natürliches Gehen mehr möglich ist, sollten Sohlen auch nicht sein!

Ebenso verhält es sich mit dem Schutz: Ein guter Wanderschuh geht immer über die Knöchel und bietet so besseren Halt und vor allem auch Schutz vor Steinen, Ästen und sonstigen Hindernissen.

Nur wenn die geplanten Familienwanderungen ausschließlich über gut ausgebaute Wanderwege ohne Hindernisse oder „Querfeldein-Anteil“ verlaufen, kann die Wahl bei gutem Wetter auf geeignete Halbschuhe fallen. Aber auch hier gilt: Sie müssen wirklich gut am Fuß sitzen!

 

Der Schuh gefällt – und zwar dem Kind

Das Kind entscheidet oft schon beim ersten Blick: Der „coole Grün-Graue soll es sein!“ oder „Den mit den rosa Herzchen will ich!“. Entsprechend schwierig wird es, wenn der „Coole“ leider gar nicht richtig sitzt oder der Herzchenschuh nur ein dünner Stoffschuh mit durchscheinender Sohle ist. Auch hier kann eine erfahrene Fachkraft die Rettung sein: Ihr Rat wird vom Kind viel leichter angenommen, als der Wunsch der eigenen Eltern – und bei einer völlig ungeeigneten Auswahl wie beim „Herzchenschuh“ vielleicht sogar zum Trick „Leider nicht in Deiner Größe vorrätig!“.

 

Regenschutz

Nicht immer herrscht optimales Wanderwetter, mit etwas Pech gerät man auch bei guter Planung in einen Regenguss. Für diese Ereignisse ist ein geeigneter Regenschutz notwendig, denn wer erst einmal nass geworden ist, kühlt schnell aus. Vom unangenehmen Gefühl feuchter, an der Haut klebender Kleidung ganz zu schweigen.

Beim Regenschutz gilt wie bei den Schuhen: Je dichter er ist, desto weniger atmungsaktiv ist er. Wobei moderne Membran-Gewebe so gestaltet sind, dass außen auftropfendes Wasser abperlt, der von der Körperwärme erzeugte Dampfdruck aber stark genug ist, um von innen Feuchtigkeit durch die Mikroporen im Material nach außen zu drücken. Das funktioniert auch – leider aber nur bis zu einem gewissen Grad. Deshalb verfügt auch gute Funktionskleidung über Lüftungsschlitze, die dafür sorgen sollen, das Innenklima zu verbessern. Bei stärkerem Regen sollten diese Öffnungen dann aber unbedingt geschlossen werden, sonst ist es auf Dauer mit der Wasserdichtigkeit nicht weit her.

Die Wasserdichtigkeit von Jacken (und Hosen) wird in „mm Wassersäule“ gemessen. Dieser Wert gibt an, wie hoch das Wasser in einer Säule auf dem Geweben stehen kann, bevor sein Druck den Stoff durchdringt. Die Mindest-Dichtigkeit nach der Norm, den „wasserdichte Stoffe“ einhalten müssen liegt bei 1.500 mm Wassersäule. Spezielle Outdoorbekleidung übertrifft diesen Wert in der Regel deutlich, die Angaben liegen hier oft im Bereich über 10.000 mm Wassersäule. Allerdings sollte man bedenken, dass mit zunehmender Dichte eines Stoffes dessen Atmungsaktivität abnimmt. Und „von innen“ nass zu werden ist auch nicht viel angenehmer, als wenn die Nässe von außen kommt. Zudem steigt mit der Dicke der verwendeten Membran das Gewicht der Kleidung.

Ob man in einem heftigen Regenguss unter der Jacke trocken bleibt, hängt zudem nicht nur von der Dichtigkeit des Gewebes ab: Ganz entscheidend ist auch die Verarbeitung, vor allem der Nähte. Diese müssen sauber verklebt sein, damit sie im Regen dem Wasser keine „Einfallstore“ bieten. Aus dem gleichen Grund müssen alle Verschlüsse gut abgedeckt sein.

Der Nachteil der Membran-Gewebe ist ihre geringe Haltbarkeit. Sie sind meist gegen mechanische Beanspruchung, also knittern oder reiben, sehr empfindlich, so dass sie an beanspruchten Stellen schnell brechen oder reißen. Kleidung, die solche Membranen enthält, sollte darum auch so selten wie möglich gewaschen (und niemals weichgespült!) werden. Denn dies führt dazu, dass die Funktionsfähigkeit von Membranjacken gerade bei Kindern sehr schnell nachlässt, so dass solche Kleidung bei Kindern ihren hohen Preis oft nicht wieder einspielen kann. Manche Menschen empfinden einen weiteren Nachteil: Bei Bewegung rascheln die festen Stoffe oft hörbar, was in der Natur teilweise als störend wahrgenommen wird.

Eine Alternative zu solcher „Hardshell-Kleidung“ sind die neuen Softshell-Jacken: Der Stoff dieser Funktionsbekleidung ist weich, anschmiegsam und atmungsaktiv, dies kommt besonders aktiven Wanderern und Kindern zugute. Bei Softshell gibt es allerdings massive Unterschiede: Von dünn bis dick, von winddicht über „wasserabweisend“ bis hin zu wasserdicht gibt es hier eine große Bandbreite, die sich auch in den Preisen widerspiegelt. Die Achillesferse der Softshell-Kleidung liegt allerdings in den Nähten: Wegen des weichen Charakters des Materials können die Nähte nicht so dicht verklebt werden, wie dies bei Hardshell möglich ist. Trotzdem halten manche qualitativ hochwertige Softshell-Jacken selbst bei merklichem Regen erstaunlich lange und gut trocken. Für Familienwanderungen, die nicht gerade darauf angelegt sind, längere Zeit durch den Regen zu gehen, kann Softshell daher eine gute Wahl sein.

Wer jedoch plant, auch im Regen längere Strecken zu wandern, der kommt nicht allein mit einer Jacke aus – egal wie dicht diese ist. Denn Bewegung und Schwerkraft sorgen dafür, dass das von Jacke und Kopfschutz abperlende Wasser beim Wandern auf den Oberschenkeln und Waden landet. Stoffhosen oder Jeans kleben dann binnen kurzer Zeit an den Beinen richtig fest. Dasselbe gilt für Kleidung, die unter unter der Jacke herausschaut: Wenn beispielsweise an den Handgelenken ein Stück Ärmel hervor ragt oder beim Kind der Pulli unter der etwas zu kurz gewordenen Jacke heraushängt, dann kriecht die Nässe über die Wäsche unter die Jacke. Auch am Hals findet der Regen gern einen Weg unter den Regenschutz. Dagegen hilft nur, die Kapuze weit nach vorn zu ziehen und möglichst dicht zu verschließen. Dies ist allerdings erfahrungsgemäß etwas, was Kinder ganz besonders hassen – und torpedieren. Dann kann der gute alte Südwester (mit langer Krempe hinten) eine Lösung sein.

Für kürzere Wanderungen mit eher geringer Regenwahrscheinlichkeit bzw. wenn klar ist, dass man bei Regen eh nur noch noch zum nächstgelegenen Gasthof weitergehen wird, kann die ganz billige, dünne Regenhaut vom Discounter eine Alternative sein: Sie macht sich im Rucksack ganz klein, trotzt ganz prima der einen oder anderen Husche und bevor sich innen der Schweiß richtig ansammelt, hat man (hoffentlich) den nächsten Unterstand erreicht.

 

Wechselkleidung

Ob es sich lohnt, für die erwachsenen Mitwanderer das eine oder andere Ersatz-Kleidungsstück mit auf die Wandertour zu nehmen, mag jeder Teilnehmer für sich selbst entscheiden. Einen Vorrat an Wechselkleidung für die Kinder im Wanderteam mitzunehmen ist jedoch fast immer eine gute Idee. Denn um nasse oder dreckige Kleidung zu bekommen, benötigen Kinder kein Unwetter – dazu reicht auch ein „Abenteuer“. Oder zu wildes Trinken aus der Trinkflasche. Oder ein Toiletten-Malheur im Wald. Oder oder oder.

Abenteuerliche Erlebnisse sind gerade das Ziel der gemeinsamen Unternehmung, entsprechend muss auch mit kleinen Missgeschicken gerechnet werden. Mit einem Satz geeigneter Wechselkleidung ist dies kein Problem. Dabei muss es – je nach Alter der Kinder – ja kein kompletter Satz Anziehsachen sein. Aber Wechselsocken (Tritt in den Bach, beim Austreten falsch „gezielt“) sind ein Muss und ein trockener Ersatz für den langärmeligen Pullover, dessen Ärmel beim Spielen am Wasser klitschnass geworden sind, rettet die Laune für den Rest der Wanderung.

Wandern.de Newsletter abonnieren
Kontaktzeile für Ausdrucke